Kühltruhen-Mord in Berlin: Täter kassierte zehn Jahre lang Rente des Opfers
Kühltruhen-Mord: Täter kassierte zehn Jahre Rente

Der Mord an Heinz N. blieb zehn Jahre lang unentdeckt, weil der Täter die Leiche in einer Kühltruhe versteckte. Der Fall wurde erst 2017 aufgeklärt, als ein Nachbar die Polizei alarmierte. Insgesamt kassierte der Täter rund 400.000 Euro an Rentenzahlungen des Opfers.

Der Fund in der Tiefkühltruhe

Am 9. Januar 2017 drangen Polizeibeamte in eine Wohnung in der Hosemannstraße 18 in Berlin-Prenzlauer Berg ein. Ein Nachbar hatte sich über einen unerträglichen Gestank beschwert und berichtet, dass der Bewohner seit Jahren vermisst werde. In der Küche entdeckten die Beamten eine Tiefkühltruhe, die mit Lebensmitteln bedeckt war. Darin fanden sie rosafarbene Plastiktüten mit menschlichen Überresten – die zerstückelte und tiefgefrorene Leiche von Heinz N., der Ende 2006 im Alter von 80 Jahren gestorben war.

Die Gerichtsmedizin stellte fest, dass Heinz N. durch einen Pistolenschuss in den Kopf getötet worden war. Der Täter hatte den Körper zersägt und in Gefrierbeuteln verstaut. Die Leiche war so gut konserviert, dass selbst nach zehn Jahren noch detaillierte Untersuchungen möglich waren.

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Der hartnäckige Nachbar

Der Nachbar Dirk B. hatte bereits seit Jahren versucht, die Behörden auf den Geruch aufmerksam zu machen. Er schrieb an die Hausverwaltung, das Gesundheitsamt und wählte mehrfach den Notruf. Die Polizei hatte ihm sogar eine Verwarnung ausgesprochen, weil er so oft anrief. Doch diesmal nahm ein Beamter seine Angaben ernst: Der Rentner sei seit Jahren nicht gesehen worden, aber der Stromzähler zeige stetigen Verbrauch. Als die Polizisten die Wohnung kontrollierten, fanden sie die Tür manipuliert – der Nachbar hatte selbst einen Nagel ins Schloss gesteckt und den Spalt mit Silikon verschmiert, um dem Geruch auf die Spur zu kommen.

Die Beamten öffneten die Wohnung mit Hilfe der Feuerwehr. Im Inneren war alles aufgeräumt, keine Kampfspuren. Erst als ein Polizist routinemäßig die Lebensmittel in der Tiefkühltruhe überprüfte, machte er den grausigen Fund.

Der Täter und sein Motiv

Bereits 24 Stunden nach dem Leichenfund wurde Josef S., damals 55 Jahre alt, verhaftet. Er war zum Tatort gekommen, um den Briefkasten des Toten zu leeren. In seiner Wohnung fanden die Ermittler Kontoauszüge und den Personalausweis von Heinz N. sowie die Dokumente einer weiteren vermissten Frau, Irma K.

Josef S. hatte das Vertrauen des kinderlosen Rentnerpaares gewonnen. Nach dem Tod von Heinz N. Ehefrau im März 2006 wurde er zur wichtigsten Kontaktperson des Witwers. Er überredete ihn, eine neue Tiefkühltruhe zu kaufen – angeblich für Wildfleisch. Die Quittung der Zustellung datierte auf den 30. Dezember 2006. Zwischen diesem Datum und Neujahr 2007 wurde Heinz N. ermordet, vermutlich unter dem Lärm der Silvesterknaller.

Zehn Jahre lang täuschte Josef S. vor, dass der Rentner noch am Leben sei. Er fälschte Unterschriften, zahlte Miete, verfasste Steuererklärungen und korrespondierte mit der Hausverwaltung. Regelmäßig betrat er die Wohnung, saugte, spülte die Toilette und installierte eine Zeitschaltuhr für das Licht. Die Deutsche Rentenversicherung überwies jeden Monat rund 2.000 Euro auf das Konto des Verstorbenen – insgesamt etwa 400.000 Euro.

Ein möglicher Serientäter

Im Versteck von Josef S. fanden die Ermittler auch die Dokumente von Irma K., einer 92-jährigen Frau, die seit 2001 vermisst wurde. Auch ihre Altersbezüge in Höhe von knapp 1.000 Euro monatlich waren auf das Konto von Heinz N. umgeleitet worden. Irma K. war sozial isoliert und lebte zurückgezogen. Ihre Wohnung wurde 2002 zwangsgeräumt, ohne dass jemand nach ihr suchte. Die Polizei geht davon aus, dass Josef S. auch sie getötet hat, aber ihre Leiche wurde nie gefunden.

Das Gericht sah im Fall Irma K. eine „Blaupause“ für den Mord an Heinz N. Josef S. schweigt jedoch zu ihrem Verbleib.

Der Prozess und das Urteil

Im Oktober 2017 begann der Prozess gegen Josef S. vor der 40. Strafkammer des Berliner Landgerichts. Die Anklage lautete auf Mord aus Habgier, Raub, Urkundenfälschung und unerlaubten Waffenbesitz. Josef S. gestand, den Tod des Rentners verschleiert zu haben, bestritt aber die Tötung. Er behauptete, Heinz N. habe Selbstmord begangen, und er habe die Leiche nur zersägt und eingefroren.

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Die Gerichtsmedizin widerlegte diese Version: Der Schusswinkel und die Entfernung machten eine Selbsttötung nahezu unmöglich. Auch die fehlenden Leichenflecke und der Verlauf der Sägespuren sprachen gegen seine Darstellung. Im April 2018 wurde Josef S. zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter stellten die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung erschwert. Eine Revision wurde 2019 vom Bundesgerichtshof verworfen.

Die Rolle des Nachbarn

Ohne den hartnäckigen Nachbarn Dirk B. wäre der Fall womöglich nie aufgeklärt worden. Die Ermittlungen erfolgten im „allerletzten Moment“, so der zuständige Staatsanwalt. Josef S. hatte die Wohnung von Heinz N. mit gefälschter Unterschrift zum 1. Februar 2017 gekündigt. Nur drei Wochen vor diesem Termin wurde die Leiche entdeckt. Im Wohnzimmer standen bereits zwei große Reisetaschen bereit, um die Pakete aus der Kühltruhe unauffällig zu entsorgen.