Urteil im Prozess gegen Marius Borg Høiby
Das Osloer Bezirksgericht hat Marius Borg Høiby, den Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Die drei Richter sprachen den 29-Jährigen einstimmig unter anderem wegen zweier Vergewaltigungen ohne Geschlechtsverkehr, Körperverletzung an einer Ex-Freundin sowie des unrechtmäßigen Filmens des Intimbereichs schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren gefordert, während die Verteidigung auf eineinhalb Jahre plädierte. Das Gericht wählte am Montag einen Mittelweg.
Insgesamt war Høiby im Februar in 40 Punkten angeklagt worden, darunter vierfache Vergewaltigung, schwere Körperverletzung, Drohungen sowie Drogen- und Verkehrsdelikte. Mehr als die Hälfte der Vorwürfe hatte er im Laufe des Prozesses ganz oder teilweise gestanden, jedoch keine strafrechtliche Schuld bei den schwerwiegenderen Vergewaltigungsvorwürfen eingeräumt.
Urteilsbegründung und Reaktionen
In der Urteilsbegründung hieß es, dass das Gericht in zwei der Vergewaltigungsfälle als erwiesen ansah, dass die Frauen schliefen. Der Vorsitzende Richter erklärte laut dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk NRK: „Sie hat die Augen geschlossen, liegt seit einiger Zeit in derselben Position und reagiert nicht auf Berührungen oder Reize.“ Bei den beiden anderen schweren Vorwürfen entschieden die Richter im Zweifel für den Angeklagten und verwiesen auf Ungereimtheiten in den Zeuginnenaussagen.
Høiby selbst verfolgte die Urteilsverkündung aufgrund gesundheitlicher Probleme per Video aus dem Gefängnis. Sein Gesundheitszustand ist nicht näher bekannt. Sein Verteidiger Petar Sekulic hatte Ende März in seinem Schlussplädoyer noch betont: „Es gibt keine Beweise, die dafür sprechen, dass Marius für die Vergewaltigungen verurteilt werden kann.“
Hintergrund des Verfahrens
Der Prozess gegen den in Norwegen als „Bonusprinz“ bekannten Høiby begann Anfang Februar und dauerte 28 Tage. Er war im August 2024 erstmals festgenommen worden. Die verhandelten Anklagepunkte reichten bis ins Jahr 2018 zurück. Wegen wiederholter Verstöße gegen ein Kontaktverbot und mutmaßlicher Wiederholungsgefahr saß er während des gesamten Prozesses in Untersuchungshaft.
Anfang Mai stellte Høiby einen Antrag auf Freilassung mit einer elektronischen Fußfessel, den er mit der schweren Erkrankung seiner Mutter begründete. Bei Kronprinzessin Mette-Marit wurde 2018 eine Variante der Lungenfibrose diagnostiziert, ihr Gesundheitszustand hat sich zuletzt verschlechtert. Ein Berufungsgericht lehnte den Antrag jedoch ab, da „weiterhin eine hohe Wahrscheinlichkeit bestehe, dass Høiby im Falle seiner Freilassung neue Straftaten begehen werde“, wie NRK berichtete.
Mediale und gesellschaftliche Auswirkungen
Der Fall hat die norwegische Monarchie in eine tiefe Krise gestürzt und eine breite gesellschaftliche Diskussion über Gewalt gegen Frauen ausgelöst. Die Frauenorganisation Sanitetskvinnene bestätigte einen Anstieg von Beratungsanfragen. Generalsekretärin May Britt Buhaug sagte: „Die Berichterstattung über solche Fälle scheint die Schwelle zu senken, um Hilfe zu bitten.“
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Mammutprozess endete vorerst mit einer Entscheidung, die weit über den Gerichtssaal hinauswirkt.



