Historischer Fund in Berlin: Mittelalterlicher Steinkeller entdeckt
Mittelalterlicher Steinkeller in Berlin entdeckt (19.06.2026)

Das Landesdenkmalamt Berlin hat bei Ausgrabungen am Molkenmarkt in Berlin-Mitte einen außergewöhnlichen Steinkeller aus dem Spätmittelalter entdeckt. Der Fund ist von großer Bedeutung für die Geschichte der Hauptstadt, da Bauwerke aus dieser Zeit in Berlin selten sind.

Einzigartiger Fund am ältesten Platz Berlins

Der Steinkeller wurde am Molkenmarkt gefunden, dem ältesten Platz Berlins. Er reiht sich ein in die Liste spätmittelalterlicher Zeugnisse wie die Nikolaikirche, die Marienkirche, die Ruinen des Franziskanerklosters und die Reste der Berliner Stadtmauer an der Littenstraße.

Größe und Erhaltungszustand beeindrucken

Der Keller ist mit mindestens 8,5 Metern Länge und fast 7,5 Metern Breite deutlich größer als übliche Keller zeitgenössischer Wohnbebauung. Er wird auf das 14. oder frühe 15. Jahrhundert datiert und ist damit der älteste Kellerraum Berlins. Die Fundamente und Kellermauern sind bis zu 2,30 Meter hoch, aus großen Feldsteinen und Ziegeln gefertigt und vollständig erhalten. Zum Ensemble gehören Reste von Licht- und Lüftungsöffnungen sowie Verwahr- und Lichtnischen. Der Boden besteht aus gestampftem Lehm.

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Bedeutung für die Berliner Stadtgeschichte

Wissenschaftlicher Projektleiter Eberhard Völker erklärt: „Der Steinkeller diente möglicherweise als Kauf- und Handelskeller und gehörte zu einem bislang unbekannten, großen und repräsentativen Bauwerk des späten Mittelalters. Bemerkenswert ist die exponierte Lage in unmittelbarer Nähe zum mittelalterlichen Rathaus und zum Hohen Haus, dem Sitz der askanischen Markgrafen.“ Die Forscher vermuten, dass der Keller ursprünglich eine Balkendecke hatte, die im 16. Jahrhundert durch ein Tonnengewölbe ersetzt wurde. In den folgenden Jahrhunderten erfolgten weitere Umbauten. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Keller zerstört und nach 1945 verfüllt und versiegelt, was zu den außergewöhnlich guten Erhaltungsbedingungen führte.

Zukunft des Fundes

Bausenator Christian Gaebler betont: „Das Molkenmarkt-Projekt ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in der historischen Mitte Berlins, und hier findet eine der größten stadtarchäologischen Untersuchungen Deutschlands statt. Der freigelegte Steinkeller verdeutlicht, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse die Ausgrabungen für die Erforschung der frühen Berliner Stadtgeschichte liefern.“ Landeskonservator Christoph Rauhut schlägt vor, den Keller aufgrund seines guten Erhaltungszustandes als archäologisches Fenster dauerhaft sichtbar und erlebbar zu machen. Ab Mitte Juni wird der Keller jedoch vorerst verfüllt, um ihn vor Umwelteinflüssen zu schützen. Die Stadtkerngrabung am Molkenmarkt läuft seit September 2019 und soll bis 2027 dauern. Bislang wurden mehr als 70 Prozent der Gesamtfläche von etwa 25.000 Quadratmetern untersucht.

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