Rostock – Am 17. Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian haben vier Nachbarinnen und ein langjähriger Bekannter der Angeklagten Gina H. (30) detaillierte Einblicke in ihr Leben in Reimershagen gegeben. Die Zeugen berichteten von häufig wechselnden Männern auf dem Hof, freizügigen Fotos, lautstarken Auseinandersetzungen mit ihrem damaligen Partner Matthias R. und einer Frau, die nach ihrer Wahrnehmung ihre Pferde oft über alles andere stellte.
„Den Olaf hat sie wie einen Knecht behandelt“
Besonders drastisch äußerte sich eine Nachbarin über den Helfer Olaf K., der sich regelmäßig um Pferde und Stall kümmerte: „Den Olaf hat sie behandelt wie einen Knecht. Der wurde dafür mit Nacktbildern angefüttert.“ Mehrere Zeuginnen berichteten zudem, dass während der Beziehung mit Fabians Vater, Matthias R., immer wieder unterschiedliche Männer auf dem Grundstück gewesen seien, die Gina H. bei den Pferden oder anderen Arbeiten halfen. Bereits an früheren Prozesstagen hatten andere Zeugen ausgesagt, die Angeklagte habe regelmäßig freizügige Fotos über Facebook und ihren WhatsApp-Status veröffentlicht.
Kinder kamen zu kurz
Auch der Umgang mit den Kindern wurde kritisch beschrieben. Eine Nachbarin sagte: „Erst kommen die Pferde, dann der Hund, dann irgendwann das Kind.“ Einen Bezug der Angeklagten zu Klein Upahl (Mecklenburg-Vorpommern) – wo Fabian später gefunden wurde – konnte dagegen keine der Zeuginnen bestätigen.
Feuer gehörte offenbar zum Alltag
Ein weiteres Detail beschäftigte das Gericht: Mehrere Zeuginnen beschrieben, dass Gina H. regelmäßig Feuer gemacht habe. Nach Aussage einer Nachbarin habe auf ihrem Grundstück häufig die Feuerschale gebrannt – selbst dann, wenn bei den Nachbarn Wäsche draußen hing. Nach dem Tod ihrer Stute Tiffy seien außerdem Pferdedecken verbrannt worden. „Das hat gestunken“, erinnerte sich die Zeugin. Auch Oberstaatsanwalt Oliver Schley griff den Punkt in seinem Schlusswort auf und sprach von einer „Leidenschaft für Feuer“.
Tränen wegen eines Telefonats
Besonders emotional wurde die Aussage einer langjährigen Bekannten. Unter Tränen schilderte sie ein Telefonat mit Gina H. wenige Tage nach dem Leichenfund. Statt einer verzweifelten Frau habe sie eine Angeklagte erlebt, die sich über den Gottesdienst und den „Aufriss“ beschwerte. Nach dem Telefonat habe sie den Kontakt zu Gina H. endgültig abgebrochen.
Freund sorgt für Stirnrunzeln
Zum Abschluss sagte ein 24-jähriger Freund der Angeklagten aus. Immer wieder widersprach er seiner eigenen Polizeiaussage oder erklärte, sich an frühere Angaben nicht mehr erinnern zu können. Außerdem behauptete er, nach seiner Vernehmung seien ihm 5000 Euro angeboten worden, damit er Gina H. belaste. Die Schilderung löste im Prozess eine längere Diskussion aus.



