Neue Vorwürfe gegen Marvin S.
Die Staatsanwaltschaft Berlin hat nach Informationen des SPIEGEL erneut Anklage gegen den Serienvergewaltiger Marvin S. erhoben. Der 35-Jährige sitzt bereits eine Haftstrafe ab, weil er bewusstlose Frauen vergewaltigt hat. Nun kommen drei weitere mutmaßliche Taten hinzu, die sich in den Jahren 2014 und 2022 ereignet haben sollen.
Details der neuen Anklage
Die neuen Vorwürfe umfassen zwei Fälle aus dem Jahr 2014 sowie einen Fall aus dem Jahr 2022. In allen drei Fällen soll Marvin S. Frauen unter ähnlichen Umständen wie bei seinen bereits abgeurteilten Taten vergewaltigt haben. Die Opfer waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft jeweils bewusstlos oder wehrunfähig. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Beschuldigte die Frauen mit K.-o.-Tropfen betäubte.
Bereits rechtskräftig verurteilt
Marvin S. war bereits 2023 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Berlin hatte ihn schuldig gesprochen, mehrere Frauen in Berliner Clubs und Bars kennengelernt, mit K.-o.-Tropfen betäubt und anschließend vergewaltigt zu haben. Die Taten hatten bundesweit für Aufsehen gesorgt. Die Staatsanwaltschaft hatte damals eine hohe Strafe gefordert, das Gericht folgte dem Antrag weitgehend.
Ermittlungen laufen weiter
Die neuen Anklagepunkte basieren auf Hinweisen, die erst nach der ersten Verurteilung bekannt wurden. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob es weitere Opfer gibt. „Wir gehen davon aus, dass die Serie von Taten möglicherweise noch umfangreicher ist“, sagte ein Sprecher der Behörde. Die Ermittlungen seien jedoch komplex, da viele Taten bereits Jahre zurücklägen.
Opferanwältin zeigt sich erleichtert
Die Rechtsanwältin der Opfer, die bereits im ersten Verfahren beteiligt war, begrüßte die neue Anklage. „Meine Mandantinnen sind erleichtert, dass die Justiz die Vorwürfe ernst nimmt und weitere Taten zur Anklage bringt. Es zeigt, dass Serientäter nicht ungestraft davonkommen“, sagte sie dem SPIEGEL. Sie hoffe, dass die neuen Verfahren den Opfern Gerechtigkeit bringen.
Verteidigung kündigt Stellungnahme an
Die Verteidigung von Marvin S. hat sich bislang nicht konkret zu den neuen Vorwürfen geäußert. Ein Anwalt kündigte an, sich nach Akteneinsicht zu den Vorwürfen zu äußern. „Wir werden die Vorwürfe selbstverständlich prüfen und uns dann im Verfahren äußern“, sagte er. Marvin S. selbst hat sich bislang nicht zu den neuen Taten eingelassen.
Hintergrund: Serienvergewaltiger in Berlin
Der Fall Marvin S. hatte 2022 für Schlagzeilen gesorgt, als bekannt wurde, dass der Mann über Jahre hinweg Frauen in Berliner Clubs betäubt und vergewaltigt haben soll. Die Polizei hatte damals eine groß angelegte Fahndung gestartet, die schließlich zur Festnahme führte. Die Taten ereigneten sich überwiegend im Berliner Stadtteil Mitte und in Friedrichshain. Die Opfer waren zwischen 18 und 35 Jahre alt.
Ausblick auf das Verfahren
Das Landgericht Berlin wird nun über die Zulassung der neuen Anklage entscheiden. Sollte die Anklage zugelassen werden, könnte es zu einem weiteren Prozess gegen Marvin S. kommen. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit einer Hauptverhandlung im kommenden Jahr. Bis dahin bleibt Marvin S. in Haft.



