In Neukölln sorgt eine geplante Abrissliste von Schulgebäuden für erhebliche Aufregung unter Eltern und Bildungsexperten. In der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses, die rund 100 Besucher anzog, wurde intensiv über die Zukunft der betroffenen Schulen diskutiert. Der Bezirk betont jedoch, dass keine Schulplätze ersatzlos gestrichen werden sollen.
Hintergrund der Abrisspläne
Die Bezirksverwaltung plant, mehrere Schulgebäude abzureißen, die als sanierungsbedürftig gelten. Die genaue Liste der betroffenen Schulen wurde bislang nicht vollständig veröffentlicht, was zusätzliche Verunsicherung schafft. Elternvertreter befürchten, dass der Abriss zu einem Mangel an Schulplätzen führen könnte, insbesondere in einem Bezirk, der bereits unter Platzmangel leidet.
In der Ausschusssitzung stellte die zuständige Stadträtin klar: „Wir werden Plätze nicht ersatzlos streichen.“ Sie verwies jedoch darauf, dass die Verantwortung für den Schulbau nicht allein beim Bezirk liege, sondern auch beim Senat von Berlin. Die Finanzierung und Planung neuer Schulgebäude sei eine gemeinsame Aufgabe.
Kritik von Eltern und Opposition
Die Opposition im Bezirksparlament übt scharfe Kritik an den Plänen. Ein Sprecher der Grünen-Fraktion sagte: „Es ist inakzeptabel, dass Schulen abgerissen werden, ohne dass konkrete Neubaupläne vorliegen. Die Eltern haben ein Recht auf Transparenz und Planungssicherheit.“ Auch die CDU forderte eine sofortige Offenlegung der Abrissliste und einen Stopp der Pläne, bis ein umfassendes Konzept für den Schulneubau vorliege.
Elternvertreter berichten von großer Besorgnis. Eine Mutter, deren Kind eine der betroffenen Schulen besucht, erklärte: „Wir haben Angst, dass unsere Kinder in provisorische Containerklassen ausweichen müssen oder noch längere Schulwege in Kauf nehmen müssen.“
Bezirk sieht sich nicht allein in der Pflicht
Der Bezirk Neukölln betont, dass die Entscheidung über den Abriss nicht isoliert getroffen werde. Die Stadträtin erklärte: „Wir arbeiten eng mit der Senatsbildungsverwaltung zusammen. Der Abriss ist nur dann sinnvoll, wenn zeitgleich Ersatzneubauten entstehen.“ Allerdings räumte sie ein, dass die Finanzierung noch nicht vollständig gesichert sei. Aktuell sind nach Angaben des Bezirks rund 15 Millionen Euro für die Sanierung und den Neubau von Schulen im Haushalt eingeplant, was nach Einschätzung von Experten nicht ausreicht, um alle notwendigen Maßnahmen zu decken.
Die Diskussion im Bildungsausschuss zeigte, dass die Fronten verhärtet sind. Während der Bezirk auf die langfristige Notwendigkeit des Abrisses verweist, fordern Eltern und Opposition konkrete Zusagen für Ersatzbauten. Eine Entscheidung wird für die kommende Sitzung des Bezirksparlaments im September erwartet.
Auswirkungen auf die Schullandschaft
Neukölln ist einer der am schnellsten wachsenden Bezirke Berlins. Die Schülerzahlen steigen kontinuierlich, sodass jeder Wegfall von Schulplätzen besonders schwer wiegt. Laut aktuellen Prognosen werden bis 2030 rund 10 Prozent mehr Schüler in Neukölln erwartet. Die Abrisspläne könnten daher die ohnehin angespannte Situation weiter verschärfen, wenn nicht rechtzeitig Ersatz geschaffen wird.
Der Bezirk verspricht, die Eltern und die Öffentlichkeit in den weiteren Prozess einzubeziehen. Eine Informationsveranstaltung für betroffene Eltern ist für den August geplant. Bis dahin soll auch eine detaillierte Liste der betroffenen Schulen veröffentlicht werden.



