Seit der Umgestaltung des Weddingplatzes in Berlin-Mitte sorgen neu aufgestellte Steinquader für Unmut bei der syrisch-orthodoxen Gemeinde Mor Izozoel. Die Poller entlang der Reinickendorfer Straße verhindern das direkte Zufahren zum Kirchengelände, was insbesondere den Abtransport von Verstorbenen erschwert. Die CDU-Fraktion im Bezirk Mitte fordert nun die Entfernung der Hindernisse.
Umgestaltung mit Nebenwirkungen
Vor eineinhalb Jahren wurde der Weddingplatz nach jahrelanger Planung neu gestaltet. Die Reinickendorfer Straße wurde zur Spielstraße umgewidmet, Parkplätze auf der linken Seite entfielen. Um Falschparker zu unterbinden, setzte das Bezirksamt Steinquader entlang des Fußwegs. Diese säumen die Straße von der Südseite des Platzes bis zur Kreuzung mit der Fennstraße – und damit auch direkt neben der ehemaligen Dankeskirche, die heute von der syrisch-orthodoxen Gemeinde Mor Izozoel genutzt wird.
Das Bezirksamt betont auf Anfrage, der Fußverkehr entlang der Grünfläche sei durch die Quader gesichert und geschützt worden. Für die Gemeinde sind die Steine jedoch ein Ärgernis: Sie verhindern das Parken unmittelbar vor dem Kirchengelände. Besonders problematisch ist dies beim Abtransport Verstorbener, wie die CDU in einem Antrag darlegt.
CDU: „Pietätloser Zustand“
In dem Antrag der CDU-Fraktion im Bezirk Mitte heißt es, die Poller verhinderten seit der Umgestaltung die Zufahrt zur Kirche, etwa durch Leichenwagen. Obwohl die Gemeinde das Bezirksamt bereits vor Jahren auf das Problem hingewiesen habe, sei nichts passiert. „Dieser pietätlose Zustand ist ein Skandal und eine Schande für das Bezirksamt“, so die Fraktion. Sie fordert, die Steinquader zu entfernen und das Halten vor dem Kirchengelände wieder zu ermöglichen. Die Fraktionsvorsitzende Daniela Fritz erklärte: „Ich erwarte vom Bezirksamt, dass es alle nötigen Schritte einleitet, damit ein ungehinderter Zugang zur Gemeinde möglich ist.“
Bezirksamt sieht keine Veränderung
Das Bezirksamt sieht sich hingegen nicht in der Verantwortung. Auf Anfrage teilte es mit, der Umbau des Weddingplatzes habe an der Zufahrtssituation der Gemeinde Mor Izozoel keine wesentlichen Veränderungen gebracht. Es habe bereits zuvor keine Zufahrt für Kraftfahrzeuge zum Grundstück bestanden. Daher sei mit dem Umbau auch keine Zufahrt hergestellt worden. Durch die Einrichtung des verkehrsberuhigten Bereichs sei das Liefern und Laden im gesamten Straßenbereich möglich. Zudem stünden weiterhin Parkplätze auf der östlichen Straßenseite zur Verfügung.
Formell hat das Bezirksamt damit recht. Allerdings existierte vor der Umgestaltung ein Parkplatz unmittelbar vor dem Kircheneingang, der es erlaubte, einen Leichenwagen rückwärts zu parken. Die Parkplätze auf der Ostseite der Reinickendorfer Straße sind zudem stark umkämpft. Das Halten auf der Spielstraße ist suboptimal, insbesondere da das Beladen eines Leichenwagens während einer Trauerfeier einige Zeit in Anspruch nehmen kann.
Suche nach einer Lösung
Das Bezirksamt ließ die Frage unbeantwortet, ob es erneut mit Kirchenvertretern verhandeln will, um eine Lösung zu finden. Die Gemeinde Mor Izozoel und die CDU hoffen auf ein Einlenken, damit die würdevolle Durchführung von Bestattungen gewährleistet ist.



