Ruth Ellis: 71 Jahre nach Hinrichtung posthume Teilbegnadigung
Ruth Ellis erhält posthume Teilbegnadigung

71 Jahre nach ihrer Hinrichtung hat die britische Regierung das Todesurteil gegen Ruth Ellis posthum in eine Haftstrafe umgewandelt. Die damals 28-Jährige war am 10. April 1955 hingerichtet worden – als letzte Frau in der Geschichte des Vereinigten Königreichs. Die symbolische Teilbegnadigung erfolgte, nachdem neue Erkenntnisse belegten, dass Ellis selbst Opfer von Missbrauch und Körperverletzung war.

Der Fall, der Großbritannien erschütterte

Am Abend des 10. April 1955 erschoss Ruth Ellis ihren Liebhaber David Blakely vor einer Kneipe im Londoner Stadtteil Hampstead. Der Prozess dauerte nur zwei Tage, das Urteil lautete Tod durch den Strang. Drei Monate später wurde Ellis im Holloway-Gefängnis gehängt. Der Fall sorgte landesweit für Empörung, viele sahen in Ellis eine tragische Figur, die über Jahre hinweg psychische und physische Gewalt erlitten hatte.

„Der Fall hat einen dunklen Schatten über meine Familie gelegt“, sagte ihre Enkeltochter in einem Interview. „Die ständige Erinnerung an die Hinrichtung und die Frage nach der Gerechtigkeit haben uns nie losgelassen.“ Die Familie hatte jahrzehntelang für eine Überprüfung des Urteils gekämpft.

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Späte Anerkennung des Unrechts

Die Entscheidung der britischen Regierung, das Urteil nun in eine Haftstrafe umzuwandeln, wird als späte Anerkennung des erlittenen Unrechts gewertet. Ruth Ellis hinterließ zwei Kinder, die nach ihrem Tod bei Verwandten aufwuchsen. Die Enkeltochter betont: „Es ist nie zu spät, die Wahrheit anzuerkennen. Meine Großmutter war ebenso Opfer wie Täterin.“

Historiker und Menschenrechtsaktivisten begrüßen die Teilbegnadigung, fordern aber eine umfassendere Aufarbeitung der Todesstrafe in Großbritannien. „Ruth Ellis steht symbolisch für die vielen Ungerechtigkeiten, die das Rechtssystem dieser Zeit hervorgebracht hat“, erklärte der Historiker John Smith von der University of London.

Ein Wendepunkt für die Familie

Für die Nachfahren von Ruth Ellis bedeutet die Entscheidung einen emotionalen Wendepunkt. „Wir können endlich einen Schlussstrich ziehen und uns auf das Positive in ihrem Leben konzentrieren“, so die Enkeltochter. Die Familie hofft, dass der Fall nun als Mahnung dienen kann, die Todesstrafe endgültig abzuschaffen. Großbritannien hatte die Todesstrafe für Mord 1965 abgeschafft, aber erst 1998 vollständig aus dem Gesetzbuch gestrichen.

Die posthume Teilbegnadigung ist ein seltener Akt: In der britischen Rechtsgeschichte wurden nur wenige Todesurteile nachträglich korrigiert. Der Fall Ruth Ellis bleibt ein Kapitel, das die dunklen Seiten der Justizgeschichte offenbart und zugleich den langen Weg zur Versöhnung mit der Vergangenheit zeigt.

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