In Stade wurden am Montag bei einem Hilfeplangespräch in einer Jugendhilfeeinrichtung sechs Menschen erschossen. Drei Tage vor der Tat soll die Patentante des drei Monate alten Babys ein 20-seitiges Dokument mit dem Titel „Chronologie eines Alptraums“ an mehrere Medien verschickt haben. Darin schildert sie den Sorgerechtsstreit der Familie mit Klinik, Jugendamt und Justiz.
Der Tathergang: Sechsfacher Mord während Hilfeplangespräch
Bei dem Termin am Montag ging es um die weitere Betreuung des Babys, das zuvor aus der Familie genommen und später unter Auflagen wieder bei seiner Mutter leben durfte – allerdings nur in einem betreuten Umfeld. Laut Staatsanwaltschaft zog der 45-jährige Vater Fatih G. plötzlich eine mitgebrachte Schusswaffe und schoss auf die Anwesenden. Unter den Opfern sind drei Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover und drei Beschäftigte der Jugendhilfeeinrichtung.
Die „Chronologie eines Alptraums“: Vorwürfe gegen Behörden
Das 20-seitige Schreiben der mutmaßlichen Patentante zeichnet das Bild eines verzweifelten Vaters, der gegen ein übermächtiges System kämpfe. Ausgangspunkt ist ein Krankenhausaufenthalt des Säuglings am 12. April 2026 wegen Hirnblutungen. In der Medizinischen Hochschule Hannover entstand der Verdacht, das Kind könnte geschüttelt worden sein. Die Familie erklärt die Verletzung mit einem Unfall: Der Vater sei im Halbschlaf mit seinem Kopf gegen den Kopf des Kindes gestoßen.
Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte gegenüber „Bild“, dass gegen Fatih G. wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen ermittelt werde. Die Patentante berichtet zudem, Fatih G. habe Strafanzeigen gegen Ärzte und Jugendamtsmitarbeiter gestellt. Viele Behauptungen lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.
Haftbefehl: Staatsanwaltschaft sieht Mordmerkmale
Gegen Fatih G. wurde Haftbefehl erlassen. Die Staatsanwaltschaft bewertet die Tat als sechsfachen Mord und verweist auf mögliche Mordmerkmale wie Heimtücke und niedrige Beweggründe. Der Beschuldigte wurde in eine Justizvollzugsanstalt gebracht, die Tatwaffe beschlagnahmt. Wie Fatih G. an die Waffe gelangte, ist unklar; eine Waffenerlaubnis hatte er nicht.
Die Mutter des Kindes und die mutmaßliche Patentante wurden vernommen, aber nicht verhaftet. Das Baby blieb unverletzt und wurde in die Obhut des Jugendamtes gegeben. Eine Mordkommission ermittelt weiter und bittet Zeugen um Fotos und Videos.



