Forschungsprojekt zur DDR-Kunstgeschichte
Ein gewaltiges Forschungsprojekt schreibt ein Kapitel DDR-Kunstgeschichte neu: Die Geschichte des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR (ZfK) wird an sechs Ausstellungsorten aufgearbeitet. Das ZfK, das 1990 aufgelöst wurde, war die zentrale Institution für die Präsentation von Kunst in der DDR. Nun legen sechs Ausstellungsinstitutionen ihre Ergebnisse vor, die jeweils ein Kapitel der ZfK-Geschichte beleuchten.
Größenwahnsinniges Projekt mit großer Wirkung
Susanne Weiß, die künstlerische Leiterin, bezeichnet das Vorhaben als „größenwahnsinniges Projekt“, zeigt sich bei der Vorstellung in der Galerie des Instituts für Auslandsbeziehungen jedoch zufrieden. Das Projekt umfasst sechs Ausstellungen, die die Arbeit des ZfK in verschiedenen Phasen und an verschiedenen Orten nachzeichnen. Dabei wird deutlich, wie das ZfK als Vermittler zwischen Künstlern und Staat fungierte und welche Rolle es im internationalen Kunstbetrieb spielte.
Rauschenbergs legendäre Ausstellung in Ost-Berlin
Ein Höhepunkt des Projekts ist die Wiederentdeckung der Ausstellung von Robert Rauschenberg in Ost-Berlin. 1990, kurz vor der Auflösung des ZfK, zeigte der US-amerikanische Künstler seine Werke in der DDR-Hauptstadt. Die Schau war ein diplomatischer und künstlerischer Coup, der die kulturellen Beziehungen zwischen Ost und West symbolisierte. Das Forschungsprojekt dokumentiert nun die Hintergründe und die Wirkung dieser Ausstellung, die lange Zeit nur unzureichend erforscht war.
Sechs Institutionen, sechs Perspektiven
Beteiligt sind unter anderem die Galerie des Instituts für Auslandsbeziehungen, das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus und die Kunsthalle Rostock. Jede Institution widmet sich einem spezifischen Aspekt der ZfK-Geschichte: von den Anfängen in den 1950er Jahren über die Hochphase der internationalen Ausstellungen bis zur Abwicklung nach der Wende. Die Ausstellungen laufen bis Ende 2026 und werden durch ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt.
Ein neues Bild der DDR-Kunstszene
Das Projekt zeigt, dass die Kunstszene der DDR vielfältiger und internationaler war als lange angenommen. Das ZfK organisierte nicht nur Ausstellungen sozialistischer Kunst, sondern auch Werke westlicher Künstler wie Rauschenberg, die oft politisch brisant waren. Die Aufarbeitung ermöglicht ein differenziertes Verständnis der Rolle der Kunst im geteilten Deutschland und schließt eine Lücke in der deutschen Kunstgeschichtsschreibung.



