Stade: Sechs Tote bei Schüssen in Jugendhilfeeinrichtung – Sorgerechtsstreit als Motiv
Stade: Sechs Tote bei Schüssen – Sorgerechtsstreit als Motiv

Bei einem Gewaltverbrechen in einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade sind sechs Menschen getötet und mehrere verletzt worden. Die Polizei Lüneburg gab auf einer Pressekonferenz bekannt, dass der mutmaßliche Täter ein 45-jähriger Mann mit türkischen Wurzeln aus dem Raum Hannover sei. Hintergrund der Tat sei vermutlich ein Sorgerechtsstreit um seine drei Monate alte Tochter, erklärte Polizeipräsidentin Kathrin Schuol. Das Kind und die Mutter gehören nicht zu den Opfern.

Erste Details zum Täter

Der Tatverdächtige sei in Deutschland geboren und der Polizei bereits bekannt gewesen, unter anderem wegen Bedrohungen. Schuol betonte jedoch, er habe nicht als „absolut gewalttätig“ gegolten. Der Mann wurde am Nachmittag festgenommen, nachdem er zunächst als Beifahrer in einem von einer Frau gesteuerten Auto geflohen war. Polizeikräfte verfolgten den Wagen und gaben Schüsse ab, die möglicherweise zu platten Reifen führten, so Polizeivizepräsident Jörg Wesemann. Die Fahrerin des Fluchtfahrzeugs habe eine enge Verbindung zur Familie des Verdächtigen, so Schuol.

Opfer und Tathergang

Alle sechs Todesopfer waren Mitarbeiter der Jugendeinrichtung. Fünf von ihnen starben am Tatort, eine sechste Person erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Unter den Opfern sind vier Frauen und zwei Männer. Weitere Menschen wurden verletzt, einige schwer. Die Tatwaffe wurde von der Polizei sichergestellt; der mutmaßliche Täter besaß keine waffenrechtliche Erlaubnis. Die Ermittlungen zur Herkunft der Waffe dauern an.

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Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet, über das Zeugen Fotos, Videos und Hinweise direkt an die Ermittler übermitteln können. „Jeder Hinweis kann für die laufenden Ermittlungen von Bedeutung sein“, hieß es in einer Mitteilung.

Reaktionen und Betreuung

Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach von einer „kaltblütigen“ Tat, die ein singulärer Fall sei und keine Verbindungen zu anderen Vorfällen habe. Sie betonte: „Ich bin mir sicher, dass diese schreckliche Tat Stade lange beschäftigen wird. Und sie wird auch Spuren hinterlassen.“

Polizeipräsidentin Schuol sprach den Angehörigen ihr tiefes Beileid aus und wies auf die Bedeutung der Betreuung aller Betroffenen hin, darunter auch die Einsatzkräfte. „Auch hier gilt unser ausdrückliches Mitgefühl und wir sind alle in Gedanken bei allen Personen.“ Polizeivizepräsident Wesemann ergänzte: „Denn was die gesehen haben, hinterlässt Spuren, auch bei den erfahrensten Beamten.“ Die Polizei werde ihre eigenen Kräfte zeitnah betreuen.

Ermittlungen laufen

Derzeit wird auf Hochtouren ermittelt, und die Einrichtung einer Mordkommission steht bevor. Ein Haftbefehl wurde noch nicht erlassen; die Entscheidung darüber hänge von den weiteren Ergebnissen der Polizei ab, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die genauen Hintergründe der Tat werden weiter untersucht.

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