Die Staatsanwaltschaft Stade hat Haftbefehl gegen einen 45-jährigen Mann erlassen, der am Montag in einer Mutter-Kind-Wohngruppe in Stade sechs Menschen erschossen haben soll. Die Ermittler gehen von sechsfachem Mord aus, da die Tat Merkmale wie Heimtücke und niedere Beweggründe aufweise. Alle Opfer waren Mitarbeiter der Einrichtung oder des Jugendamts, darunter vier Frauen und zwei Männer. Der Tatverdächtige, ein in Deutschland geborener Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit, wurde bei einem Fluchtversuch festgenommen. Die Polizei hatte zuvor die Reifen seines Fluchtfahrzeugs zerschossen.
Motive und Hintergründe der Tat
Nach Angaben der Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol liegt das Tatmotiv vermutlich in einem Sorgerechtsstreit um die drei Monate alte Tochter des Verdächtigen. Der Vater war zu einem Hilfeplangespräch in die Einrichtung gekommen, bei dem mehrere Mitarbeiter anwesend sein sollten. Die 34-jährige Mutter des Kindes lebte mit der Tochter in der Wohngruppe und blieb unverletzt. Die Polizei nahm auch eine 65-jährige Frau fest, die den Verdächtigen in einem Mercedes-Coupé zur Flucht verhelfen wollte; sie soll die Patentante des Kindes sein.
Schütteltrauma und frühere Bedrohungen
Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte, dass die Tochter des Tatverdächtigen wegen eines Schütteltraumas im Krankenhaus behandelt wurde. Der Vater soll am 22. April gegenüber Ärzten der Medizinischen Hochschule Hannover aggressiv aufgetreten sein und ihnen verbal gedroht haben. Ein Verfahren wegen Bedrohung wurde jedoch eingestellt, da eine spätere E-Mail des 45-Jährigen nicht den Tatbestand erfüllte. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener gegen beide Elternteile. Unklar ist, wer das Schütteltrauma verursacht hat.
Ermittlungen und Reaktionen
Die Polizei bereitet die Einrichtung einer Mordkommission vor. Der Tatverdächtige war der Polizei bereits wegen einer früheren Bedrohung bekannt, galt aber nicht als absolut gewalttätig. Er besaß keine waffenrechtliche Erlaubnis für die verwendete Schusswaffe, die er nach Informationen des NDR am Bahnhof Zoo in Berlin gekauft haben soll. Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach von einer „kaltblütigen“ Tat. Die Stadt Stade, rund 40 Kilometer westlich von Hamburg gelegen, steht unter Schock. Die Ermittlungen dauern an.



