Istanbuler Gericht verurteilt Hotelbetreiber nach Tod Hamburger Familie
Urteil nach Vergiftung: Lange Haftstrafen in Istanbul

Ein Gericht in Istanbul hat die Verantwortlichen für den Tod einer vierköpfigen Familie aus Hamburg zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Familie war im November 2023 nach einer Vergiftung durch das Insektizid Aluminiumphosphid in einem Hotel gestorben. Der Hotelbetreiber, der Inhaber einer Schädlingsbekämpfungsfirma sowie dessen Sohn und ein Mitarbeiter wurden wegen „bewusster fahrlässiger Tötung“ verurteilt. Zwei Rezeptionisten des Hotels wurden freigesprochen.

Die Urteile im Einzelnen

Das Istanbuler Gericht Caglayan verhängte folgende Strafen: Der Hotelbesitzer erhielt 13 Jahre und 4 Monate Haft, der Inhaber der Schädlingsbekämpfungsfirma 18 Jahre, ebenso dessen Sohn. Ein Mitarbeiter, der die chemische Behandlung durchgeführt hatte, wurde zu 12 Jahren und 2 Monaten verurteilt. Die Angeklagten hatten zuvor alle Freisprüche gefordert und die Schuld von sich gewiesen. Der Hotelbesitzer zweifelte die Todesursache an und verwies auf eine mögliche Lebensmittelvergiftung. Sein Anwalt argumentierte, die beauftragte Firma habe den Hotelier betrogen. Der Sohn des Firmeninhabers stellte das rechtsmedizinische Gutachten infrage, das die Vergiftung durch Aluminiumphosphid nachgewiesen hatte.

Anwalt kündigt Berufung an

Der Anwalt der Familie, Yasar Balci, begrüßte das hohe Strafmaß, kündigte jedoch an, in Berufung zu gehen. Er fordert eine Verurteilung wegen „vorsätzlicher Tötung“. Der Bruder des verstorbenen Vaters bezeichnete die 18-jährigen Haftstrafen als „gerecht“. Vor der Urteilsverkündung hatte der Vater des Verstorbenen erklärt: „Ich erwarte eine gerechte Strafe und dass wir unsere Ruhe haben.“ Die Angehörigen zeigten sich emotional belastet. Die Großmutter der Kinder sagte im Gerichtssaal: „Mein Herz blutet jeden Tag, ich habe meine Tochter begraben und bin dabei selbst gestorben.“ Sie forderte eine Bestrafung der Täter, „um die Tränen einer Mutter wegzuwischen“. Der Großvater der Kleinkinder betonte sein Vertrauen in die türkische Justiz und forderte, dass die Verantwortlichen bestraft werden.

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Branchenweites Problem

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den unerlaubten Einsatz von Chemikalien, fehlende Kontrollen und mangelnde Ausbildung in der Schädlingsbekämpfungsbranche in der Türkei. Auch andernorts führte unsachgemäßer Umgang mit Schädlingsbekämpfungsmitteln bereits zu schweren Erkrankungen und Todesfällen. Im Gerichtssaal meldete sich ein Mann zu Wort, dessen Kind mutmaßlich ebenfalls nach einem Chemikalieneinsatz derselben Firma gestorben war. Er schrie die Angeklagten an, sie hätten von allem gewusst, woraufhin der Richter ihn des Saales verwies. Der Anwalt der Familie hatte zu Beginn des Prozesses gefordert, dass ein hohes Strafmaß die staatlichen Verantwortlichen dazu bewegen solle, stärkere Kontrollen bei solchen Firmen durchzuführen.

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