Im Prozess um den getöteten achtjährigen Fabian verdichten sich die Hinweise auf die Angeklagte Gina H. Doch ausgerechnet der entscheidende Tag, der 10. Oktober 2025, wirft mehr Fragen auf als Antworten. Die Ermittler haben vier zentrale Indizien zusammengetragen, die die Anklage stützen, aber auch erhebliche Lücken aufweisen.
81 verschwundene Minuten im Wald
Laut den Ermittlern gibt es eine Zeitspanne von 81 Minuten, in der sich Gina H. im Wald aufgehalten haben soll – ohne dass ihr Aufenthaltsort genau nachvollziehbar ist. Die Handydaten zeigen in diesem Zeitraum keine Bewegung, was nach Ansicht der Staatsanwaltschaft darauf hindeutet, dass das Gerät ausgeschaltet oder in einer abgeschirmten Umgebung war. Die Verteidigung hingegen argumentiert, dass die Funklöcher in dem Waldgebiet bekannt seien und eine Ortung unmöglich machten.
Fehlende Fahrzeugdaten der Auto-Blackbox
Ein weiteres belastendes Element sind die fehlenden Daten aus der Blackbox von Gina H.s Auto. Für den Zeitraum des 10. Oktober 2025 zwischen 14:30 und 16:00 Uhr wurden keine Aufzeichnungen gefunden. Die Anklagebehörde vermutet, dass die Daten bewusst gelöscht wurden. Ein Gutachter erklärte vor Gericht, dass ein technischer Defekt nicht ausgeschlossen werden könne, aber die Umstände „auffällig“ seien. „Es ist sehr ungewöhnlich, dass genau an diesem Tag die Aufzeichnung ausfällt“, so der Sachverständige.
Auffällige Google-Suchen
Die Ermittler haben zudem die Internetaktivitäten von Gina H. analysiert. Am Abend des 10. Oktober führte sie mehrere Suchanfragen durch, die sich mit der Frage beschäftigten, wie man Alibis konstruieren könne. Konkret suchte sie nach „Wie beweise ich, wo ich war?“ und „Kann die Polizei gelöschte Handydaten wiederherstellen?“. Die Staatsanwaltschaft wertet dies als Indiz für ein schlechtes Gewissen. Die Verteidigung entgegnet, dass solche Suchanfragen auch aus allgemeiner Verunsicherung heraus erfolgt sein könnten.
Abgehörte Telefonate über Alibis
Bereits zwei Tage nach der Tat, am 12. Oktober 2025, führte Gina H. mehrere Telefonate, die von der Polizei abgehört wurden. In diesen Gesprächen mit einer Freundin fragte sie mehrfach, ob ihr Alibi „wasserdicht“ sei. Laut einem Zeugenaussagen sagte sie wörtlich: „Ich muss sicherstellen, dass niemand auf die Idee kommt, ich könnte etwas mit Fabians Verschwinden zu tun haben.“ Die Staatsanwaltschaft sieht darin einen Hinweis auf eine versuchte Vertuschung. Die Verteidigung hält die Aussagen für aus dem Zusammenhang gerissen.
Das Gericht steht vor der Herausforderung, diese widersprüchlichen Beweise zu bewerten. Der Prozess wird fortgesetzt, und es wird erwartet, dass weitere Zeugen und Gutachter gehört werden. Der Fall bleibt hochgradig brisant, da die Indizien zwar stark, aber nicht lückenlos sind.



