Eine bislang unveröffentlichte Studie des Immobilienkonzerns Vonovia zeigt, dass sich 56 Prozent der wahlberechtigten Berliner eine Enteignung von Wohnungskonzernen vorstellen können. Das berichtet der „Tagesspiegel“, dem die Untersuchung des Markt- und Sozialforschungsinstituts Sinus vorliegt. Befragt wurden demnach 1021 Berliner Wahlberechtigte im Rahmen von Online-Interviews im Februar 2026.
Ergebnisse der Sinus-Studie
Laut Studie sind 24 Prozent der Befragten „auf jeden Fall“ für Enteignungen, weitere 32 Prozent können sich das prinzipiell vorstellen. Gegen Enteignungen sprechen sich 17 Prozent aus, 25 Prozent sind noch unentschlossen, und zwei Prozent machten keine Angaben. Die Studie wurde nie veröffentlicht – laut „Tagesspiegel“ dürfte der Grund das für Vonovia ungünstige Ergebnis sein.
Ein Vonovia-Sprecher erklärte zunächst, es gebe „keine aktuelle Studie“ zum Thema, räumte später aber deren Existenz ein. Die Untersuchung sei für „unternehmensinterne Zwecke“ bestimmt gewesen; eine Veröffentlichung sei nie beabsichtigt gewesen. Der „Tagesspiegel“ war auf einer Veranstaltung auf die Studie gestoßen und hatte Vonovia vor einigen Wochen darauf angesprochen.
Hintergrund: Volksentscheid 2021
Die Initiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ kämpft seit Jahren für die Vergesellschaftung größerer Wohnraumbestände. Konzerne mit über 3000 Wohnungen im Portfolio sollen enteignet und entschädigt werden – die Kosten würden in die Milliarden gehen. Im September 2021 stimmten 59,1 Prozent der wahlberechtigten Berliner für Enteignungen, die Umsetzung steht jedoch bis heute aus.
Das Thema Wohnungsmangel dürfte im Berliner Wahlkampf 2026 eine entscheidende Rolle spielen. In keiner deutschen Großstadt sind die Mieten in den vergangenen Jahren so rasant gestiegen; Wohnraum ist knapp. Die schwarz-rote Koalition im Bund hatte sich zuletzt darauf geeinigt, Enteignungen von Konzernen mit großen Mietwohnungsbeständen per Bundesgesetz zu unterbinden. „Um den privaten Wohnungsbau nicht zu gefährden, wird durch Bundesgesetz geregelt, dass die Verstaatlichung privater Mietwohnungsbestände durch Vergesellschaftungsgesetze auf Landesebene nicht mehr möglich ist“, heißt es in einem Koalitionsbeschluss.
Reaktionen der Parteien
Die Linke hält das geplante Bundesgesetz für verfassungswidrig. „Wir werden zusammen mit den Mieterinnen und Mietern hier den Widerstand aufbauen“, sagte der Berliner Linken-Wohnungsbauexperte Niklas Schenker. „Wir werden auch alle juristischen Mittel ausschöpfen, um hier die Bundesregierung zu stoppen.“ In Berlin hat die Linkspartei mit Spitzenkandidatin Elif Eralp die Umsetzung der Vergesellschaftung zur Koalitionsbedingung gemacht.
Neben der Linken plädieren nur noch die Grünen für eine Umsetzung des Volksentscheids. CDU, SPD und AfD lehnen Enteignungen ab. Die Berlin-Wahl 2026 rückt näher, und die Positionen der Parteien zu diesem Thema könnten wahlentscheidend sein.



