Wilke-Wurst-Skandal: Prozessauftakt in Kassel wegen elf Toten
Wilke-Wurst-Prozess: Elf Tote durch Listerien

Fast sieben Jahre nach dem Skandal um keimverseuchte Fleischwaren der Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren hat am Landgericht Kassel der Prozess gegen drei ehemalige Mitarbeiter begonnen. Die Angeklagten – ein 57-jähriger und ein 58-jähriger Mann sowie eine 55-jährige Frau – sollen über Jahre hinweg mit Listerien kontaminierte Wurst in den Handel gebracht haben. Dies soll den Tod von elf Menschen zumindest mitverursacht haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem fahrlässige Tötung in elf Fällen sowie fahrlässige Körperverletzung in sieben Fällen vor.

Staatsanwaltschaft: „Katastrophale hygienische Bedingungen“

Laut der Anklagebehörde produzierten die Beschuldigten von 2015 bis 2019 „unter katastrophalen hygienischen Bedingungen“ keimbelastete Wurst. Ihnen sei bewusst gewesen, dass die Lebensmittel gesundheitsschädlich waren. Dennoch unterließen sie es, die Behörden zu informieren oder die Waren zurückzurufen. Zudem sollen sie verdorbene Ware aufbereitet und mit gefälschten Mindesthaltbarkeitsdaten versehen haben, um die Einnahmen des Unternehmens zu sichern. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, Gesundheitsschäden billigend in Kauf genommen und eine Großzahl an Personen gefährdet zu haben.

Hintergrund des Skandals

Der Wilke-Wurst-Skandal gilt als einer der schwersten Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre in Deutschland. Die Firma Wilke im nordhessischen Twistetal wurde im Oktober 2019 geschlossen, nachdem in ihren Produkten Listerien-Keime nachgewiesen worden waren. Insgesamt 37 Menschen erkrankten nach dem Verzehr der kontaminierten Wurst an Listeriose. Bei elf von ihnen war die Infektion zumindest mitursächlich für den Tod. Die Todesopfer waren zwischen 47 und 86 Jahre alt und stammten aus Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Berlin und dem Saarland. Viele von ihnen hielten sich in Pflegeeinrichtungen oder Kliniken auf, die von Wilke beliefert wurden.

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Weitere Vorwürfe und Prozessablauf

Neben den fahrlässigen Tötungen und Körperverletzungen legt die Staatsanwaltschaft den Angeklagten die Beibringung gesundheitsgefährdender Stoffe in vier Fällen, Betrug in 17 Fällen sowie gesundheitsgefährdendes Inverkehrbringen von Lebensmitteln in 18 Fällen zur Last. Der ehemalige Geschäftsführer und seine Stellvertreterin müssen sich zudem wegen vierfacher versuchter Körperverletzung durch Unterlassen verantworten. Das Landgericht Kassel hat 14 weitere Verhandlungstage vor der 2. (Wirtschafts-)Strafkammer angesetzt. Ein Urteil wird für den 12. August erwartet.

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