Beinahe-Festnahme in Kolumbien: Autorin berichtet von Albtraum-Wanderung
Beinahe-Festnahme in Kolumbien: Autorin berichtet

Beinahe endet eine Wanderung in Kolumbien für TRAVELBOOK-Autorin Julia Mähl mit einer Festnahme. Statt traumhafter Natur gibt es plötzlich bewaffnete Polizisten, Fingerabdrücke und die Angst, das Land womöglich nicht mehr verlassen zu dürfen.

Wie gefährlich ist eine Reise durch Kolumbien wirklich?

Würde mich das heute, nach sechs Wochen Backpacking durch das Land, jemand fragen, müsste ich nicht lange überlegen. Denn ich bin der Meinung: Wer sich an gewisse Dos and Don'ts hält, hat in Kolumbien keine Schwierigkeiten. Mit einer kleinen Einschränkung. Denn gleich in der ersten Woche ist meiner Reisebegleitung und mir etwas passiert, das diesem Eindruck komplett widerspricht.

Einschränkungen wegen der „Semana Santa“

Wir waren mitten in der „Semana Santa“ angekommen. Die spanische Karwoche zählt in Kolumbien zu den größten Feiertagen des Jahres. Genau während dieser Zeit wollten wir ins berühmte „Valle de Cocora“. Unser Hotelbesitzer empfahl uns deshalb, schon früh morgens aufzubrechen und eine Route zu wählen, die deutlich weniger besucht sei. Und er gab uns den wichtigen Hinweis: Wegen der „Semana Santa“ könnten einzelne Wege im Naturschutzgebiet gesperrt sein. Falls das der Fall sei, müssten wir umkehren.

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„Valle de Cocora“ wird beinahe zum Albtraum

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg. Mit den Jeeps fuhren wir ins „Valle de Cocora“, starteten unsere Wanderung und kamen an allen Stationen vorbei, die uns der Hotelbesitzer beschrieben hatte. Einen ersten Checkpoint passierten wir problemlos, bezahlten die kleine Gebühr und liefen weiter.

Etwa zwei Stunden später, fast am Ende unserer Runde und kurz vor den berühmten Palmen, erreichten wir einen zweiten Checkpoint. Auch dort sollte eine Gebühr fällig werden. Doch bevor wir bezahlen konnten, hielten uns zwei bewaffnete Polizisten auf.

Auf Spanisch fragten sie uns, ob wir eine Genehmigung für die Richtung hätten, aus der wir gekommen waren. Die hatten wir natürlich nicht. Es folgte fast eine Stunde voller Verständigungsprobleme. Die Beamten nahmen unsere Personalien auf, sprachen von einer „Lektion“, die wir lernen müssten, und erklärten uns, wir dürften Kolumbien nicht verlassen, bis die Angelegenheit geklärt sei. Außerdem machten sie uns klar, dass wir offenbar genau den gesperrten Weg benutzt hätten, vor dem uns der Hotelbesitzer gewarnt hatte. Damit hätten wir gegen ein Gesetz verstoßen und uns strafbar gemacht.

Bargeld hätte das Problem gelöst

Im Nachhinein bin ich mir fast sicher, dass wir das Problem mit etwas Bargeld schnell hätten lösen können. Das Klischee der bestechlichen Polizisten in Lateinamerika begegnete mir im weiteren Verlauf der Reise immer wieder. In diesem Moment waren wir allerdings viel zu perplex und überfordert, um überhaupt auf diesen Gedanken zu kommen.

Nachdem die Polizisten uns noch eine Weile festgehalten, unsere Personalien notiert, Fingerabdrücke genommen und uns angewiesen hatten, am Montag nach der „Semana Santa“ im Rathaus zu erscheinen, durften wir schließlich weitergehen. Am Montag erschienen wir wie angewiesen im Rathaus. Doch dort hatte niemand von dem Vorfall gehört. Auch in der Datenbank für Straftaten tauchten wir nicht auf.

Die Mitarbeiter vermuteten, die Polizei habe an uns ein Exempel statuieren und uns Angst machen wollen, und schickten uns wieder nach Hause. Der Vorfall ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben – meine Ausreise aus Kolumbien hat er am Ende aber zum Glück nicht verhindert.

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