Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) hat während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 die erste Festnahme im Zusammenhang mit dem Turnier bestätigt. Laut einer Stellungnahme des US-Heimatschutzministeriums (DHS) wurde am 6. Juli ein illegaler Einwanderer aus Mexiko festgenommen, der eine Drohne im gesperrten FIFA-Luftraum nahe einer Veranstaltung in Kansas City, Missouri, geflogen hatte.
Festnahme nach Drohnenflug nahe Arrowhead Stadium
Bei dem Verhafteten handelt es sich um Jose Gerardo Garrido-Benitez. Er war bereits am 3. Juli dabei beobachtet worden, wie er eine Drohne etwa vier Kilometer vom Arrowhead Stadium entfernt fliegen ließ. An jenem Abend fand dort das Achtelfinalspiel zwischen Kolumbien und Ghana statt. Die Drohne wurde von Bundesbeamten beschlagnahmt, da sie im gesperrten Luftraum der FIFA operierte. Drei Tage später, nach einer Benachrichtigung durch Bundesbeamte, nahmen ICE-Agenten den Mann fest.
Garrido-Benitez war nach Angaben des DHS im Jahr 2003 illegal in die USA eingereist und bereits einmal abgeschoben worden. Anschließend kehrte er zu einem unbekannten Zeitpunkt zurück. Die DHS-Sprecherin erklärte: „Dieser kriminelle illegale Einwanderer hat in der Nähe einer FIFA-Veranstaltung in Kansas City, Missouri, auf gefährliche Weise eine Drohne in einem gesperrten Luftraum geflogen. Zu seinem umfangreichen Vorstrafenregister gehören Trunkenheit am Steuer, Urkundenfälschung, Körperverletzung und Drogenbesitz. Die Trump-Regierung wird nicht zulassen, dass illegale Einwanderer die Sicherheit der amerikanischen Bevölkerung gefährden.“
ICE hält sich von Stadien fern, aber nicht von Razzien
Vor der WM hatte es große Bedenken von Menschenrechtsorganisationen gegeben, dass ICE verstärkt bei Spielen, Fanfesten und rund um die Stadien eingreifen könnte. Tatsächlich blieb es dort jedoch ruhig. ICE-Einsatzkräfte waren zwar im Umfeld der WM präsent, gehörten aber meist zur Abteilung „Homeland Security Investigations“, die gegen Menschenhandel und Material über sexuellen Kindesmissbrauch ermittelt, und nicht zu dem auf Abschiebungen spezialisierten Zweig.
Parallel zur WM führte ICE landesweit eine beispiellose Welle von Razzien durch. Innerhalb von nur fünf Tagen wurden bis zu 10.000 Menschen festgenommen, auch in WM-Städten. Die Festnahmen gipfelten in tödlichen Schüssen von ICE-Beamten auf Einwanderer, die nicht das eigentliche Ziel der Razzien waren. Im Fall des Mexikaners Lorenzo Salgado Araujo ereignete sich die tödliche Aktion in der WM-Stadt Houston, nur 13 Autominuten vom offiziellen FIFA-Fanfest entfernt.
Kritik von Menschenrechtsorganisationen
Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International, sagte gegenüber ntv.de: „Die Verantwortung für die Todesfälle liegt in erster Linie bei der US-Regierung, die für die Umsetzung ihrer menschenfeindlichen, rassistischen Migrationspolitik Gewalt und Tote billigend in Kauf nimmt. Trotzdem muss festgehalten werden, dass die FIFA ihrer klaren menschenrechtlichen Verantwortung, auf die Einhaltung der Menschenrechte im Gastgeberland einzuwirken, nicht nachgekommen ist.“
Andrea Florence, Geschäftsführerin der Sport & Rights Alliance, ergänzte: „In den letzten Wochen der Weltmeisterschaft haben wir beobachtet, wie die US-Einwanderungsbehörden ihre täglichen Festnahmen verdoppelt haben, doch da diese Festnahmen größtenteils abseits der WM-Stadien stattfanden, können die Trump-Regierung und die FIFA so tun, als sei alles in Ordnung.“ Mit der Festnahme in Kansas City habe sich dies nun geändert.



