Indien: Polizei geht gewaltsam gegen „Kakerlaken-Bewegung“ vor
Indien: Gewalt gegen „Kakerlaken-Bewegung“

In Neu-Delhi ist die regierungskritische „Kakerlaken-Bewegung“ (Cockroach Janta Party, CJP) mit der Polizei zusammengestoßen. Laut indischen Medienberichten setzten die Einsatzkräfte Tränengas und Schlagstöcke ein, um einen geplanten Marsch der Demonstranten zum Parlamentsgebäude zu verhindern. Reporter vor Ort beobachteten, wie Polizisten mit Steinen beworfen wurden; auf beiden Seiten gab es leichte Verletzungen.

Hintergrund der Proteste

Die Proteste werden von jungen Menschen angeführt, die sich im Mai zur satirischen „Kakerlakenpartei“ zusammengeschlossen haben. Sie fordern umfassende Bildungsreformen und den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan. Dieser soll die politische Verantwortung für den Skandal um den nationalen Medizin-Aufnahmetest (NEET) übernehmen, bei dem Fragen gegen Geld verkauft wurden. Hunderttausende Studierende müssen die Prüfung deshalb wiederholen.

Der Name der Partei geht auf die Aussage eines hochrangigen Richters zurück, der arbeitslose Hochschulabsolventen als „Kakerlaken“ (englisch: cockroaches) bezeichnet hatte. Die Bewegung gewann online schnell Millionen Anhänger.

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Regierung reagiert mit Härte

Die Polizei wies die Vorwürfe der Gewalt zurück. Bereits am Sonntag hatte die Regierung die Demonstration für illegal erklärt, ein Großaufgebot an Einsatzkräften aktiviert und Straßensperren errichtet. Trotz der Konfrontation zeigte sich die Regierung teilweise gesprächsbereit: Gesundheitsminister J.P. Nadda bat um Zeit, um die Forderungen der Bewegung mit seinen Kollegen zu besprechen. Nach einem Treffen mit zwei Anführern der Bewegung forderte Nadda die Demonstranten auf, ihren Sitzstreik zu beenden und die Behörden bei der Rückkehr zur Normalität zu unterstützen.

Jugendarbeitslosigkeit als Treiber

Neben dem Prüfungsskandal treibt die junge Inder vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit um. Laut Regierungsdaten lag die Arbeitslosenquote bei den 15- bis 29-Jährigen im Jahr 2025 bei 9,9 Prozent, in städtischen Gebieten sogar bei 13,6 Prozent. Diese Zahlen befeuern den Unmut zusätzlich.

Ein weiterer Auslöser war der Umgang mit dem hungerstreikenden Aktivisten Sonam Wangchuk, der am Samstag gegen seinen Willen ins Krankenhaus gebracht worden war. Der Gründer der Kakerlakenpartei, Abhijeet Dipke, befindet sich nach Angaben der Bewegung weder in Gewahrsam noch in Haft, obwohl Aktivisten zuvor behauptet hatten, er sei festgenommen worden.

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