Seit mehr als zehn Jahren verbieten türkische Behörden die Pride-Parade in Istanbul, doch in diesem Jahr eskalierte die Situation: Die Innenstadt um die bekannte Einkaufsstraße Istiklal wurde weiträumig abgesperrt, der öffentliche Nahverkehr eingeschränkt. Dennoch versammelten sich Aktivisten auf der asiatischen Seite der Stadt, pfiffen und liefen durch die Straßen – wurden jedoch umgehend von Zivilpolizisten unterbunden. Medienberichten zufolge kam es zu Festnahmen.
Organisatoren: „Ihr könnt unsere Stimmen nicht zum Schweigen bringen“
Die Organisatoren der diesjährigen Pride erklärten: „Ihr könnt unsere Stimmen nicht durch Repression, unsere Slogans nicht mit Verboten zum Schweigen bringen.“ Sie warfen der Regierung vor, queere Menschen ins Visier zu nehmen, anstatt effektiv gegen Straftaten wie Femizide und Vergewaltigungen vorzugehen. „Wir lassen uns nicht durch Verbote und Hasspolitik reglementieren“, so die Organisatoren weiter.
Zunehmende Repression: X-Konten gesperrt, Journalist verhaftet
In den vergangenen Wochen haben die Repressalien zugenommen. Zahlreiche Konten auf X, die sich für die Rechte von LGBTQ+ einsetzen, wurden gesperrt. Am Freitag wurde der queere Journalist Yildiz Tar verhaftet. Einen Tag später ließen die Behörden eine Gay-Bar im Istanbuler Ausgehviertel Beyoglu schließen – begründet mit einem Verstoß gegen Rechtsvorschriften, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.
Pride-Parade seit 2015 verboten
Die Pride-Parade in Istanbul ist seit 2015 verboten. Die Behörden begründen die Maßnahmen in der Regel mit Sicherheitsbedenken. Vertreter der Regierung und Präsident Recep Tayyip Erdogan äußern sich immer wieder offen LGBTQ-feindlich. Die Organisatoren kündigten an, den Kampf für die Rechte queerer Menschen fortzusetzen, trotz der wachsenden Repression.



