TikTok-Kuss in Indonesien: Paar öffentlich mit 21 Stockhieben bestraft
TikTok-Kuss: Paar in Indonesien öffentlich ausgepeitscht

Ein Kuss während eines Livestreams auf TikTok hat für ein junges Paar in der indonesischen Provinz Aceh schwerwiegende Konsequenzen gehabt: Beide wurden öffentlich mit Rohrstöcken ausgepeitscht. Ein Scharia-Gericht verurteilte den 22-jährigen Mann und die 25-jährige Frau wegen Verstoßes gegen das islamische Sittengesetz zu jeweils 21 Stockhieben. Die Strafe wurde auf einer Bühne in einem Park in der Provinzhauptstadt Banda Aceh vor zahlreichen Zuschauern vollstreckt.

Hintergrund des Urteils

Das Paar war festgenommen worden, nachdem ein Livestream von Ende Februar viral gegangen war. In dem Video hatten sich die beiden, die nicht miteinander verheiratet sind, in einem Auto geküsst. Der Vorfall wurde den Scharia-Behörden gemeldet, die daraufhin Ermittlungen einleiteten. Ursprünglich hatte das Gericht jeweils 25 Stockhiebe verhängt. Da das Paar jedoch bereits vier Monate in Untersuchungshaft gesessen hatte, wurde das Strafmaß auf 21 Hiebe reduziert.

Zweck der öffentlichen Bestrafung

„Die öffentlichen Auspeitschungen sollen dazu dienen, andere von Verstößen gegen die religiösen Vorschriften der Provinz abzuschrecken“, zitierte das Nachrichtenportal Serambinews.com den Leiter der Staatsanwaltschaft, Bobbi Sandri. Die Provinz Aceh an der Nordwestspitze der Insel Sumatra ist die einzige Region im mehrheitlich muslimischen Indonesien, in der das islamische Recht offiziell Anwendung findet.

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Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert öffentliche Auspeitschungen in Aceh seit Jahren als grausame, unmenschliche und entwürdigende Strafe und fordert ihre Abschaffung. Das dort geltende islamische Recht sieht öffentliche Stockhiebe unter anderem für Delikte wie Ehebruch, Alkoholkonsum, Glücksspiel oder gleichgeschlechtliche Beziehungen vor.

Rechtliche Grundlage in Aceh

Aceh erhielt das Recht zur Einführung der Scharia Anfang der 2000er Jahre im Rahmen eines Friedensabkommens, das einen jahrzehntelangen Separatistenkonflikt beendete. Seitdem werden dort religiöse Gesetze streng durchgesetzt. Die öffentliche Auspeitschung des Paares ist ein weiteres Beispiel für die rigide Auslegung der Scharia in der Provinz.

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