Hitze in Sachsens Kitas: Träger fordern mehr Klima-Hilfen
Hitze in Sachsens Kitas: Träger fordern mehr Klima-Hilfen

Hitzewellen in Sachsen setzen Kindertagesstätten massiv zu. Trägerverbände fordern von Politik und Verwaltung mehr finanzielle Hilfe für Klimaanpassungsmaßnahmen und kritisieren zugleich geplante Kürzungen bei Investitionsmitteln im sächsischen Doppelhaushalt.

Paritätischer: Systematische Anpassung an Hitzewellen nötig

Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Sachsen, betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Es braucht mehr Schatten draußen und Klimaanlagen zur Abkühlung drinnen. Gemeinnützige Organisationen können die dafür nötigen Investitionen allerdings nicht selbst leisten.“ Er verlangt deshalb ein abgestimmtes Förderprogramm von Bund, Ländern und Kommunen. Umso besorgniserregender sei es, dass der Regierungsentwurf für den neuen Doppelhaushalt Kürzungen bei den Kita-Investitionen vorsehe.

Neubauten ebenfalls betroffen

Das Problem beschränkt sich nicht auf alte Gebäude. Barbara Gärtner, Vorstandsvorsitzende des Dresdner Trägervereins „Kinderarche“, berichtet von einem Niedrigenergiehaus in Neubauweise mit Lüftungsanlage: „Da ist dann in den ersten zwei Jahren aufgefallen, dass das im Sommer ja irgendwie die schlechteste aller Ideen war, weil diese Lüftungsanlage eher die warme Luft von draußen hereingebracht hatte.“ Oft seien die Träger zudem nur Mieter kommunaler Immobilien, sodass Umbauten von den Rathäusern angestoßen werden müssten. Kleinere Anpassungen wie Sonnensegel, Jalousien, Ventilatoren oder mobile Klimageräte könnten die Träger aus Rücklagen stemmen. Das Thema sei „zunehmend auf dem Schirm“, so Gärtner.

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Flächendeckendes Problem bei sozialen Trägern

Laut Thomas Neumann, Sprecher des Paritätischen in Sachsen, gibt es nur „in begrenzter Zahl“ klimatisierte Einrichtungen. Ressourcen für Anpassungen fehlten sowohl bei Alt- als auch bei Neubauten. „Wenn Sie sehen, dass die Hälfte der Einrichtungen im Sozialen deutschlandweit von gemeinnützigen Organisationen betrieben wird, dann ist es nicht nur ein kleines Problem eines Trägers, sondern ein flächendeckendes Problem.“ In Kitas werde mit Sonnensegeln und Wasser Besuchern Abkühlung verschafft, doch die Grenzen seien erreicht. Die Unfallkasse Sachsen rät bei intensiver Sonne, Kinder drinnen oder im Schatten zu betreuen.

Hitze raubt Jugendlichen den Schlaf

Besonders drastisch waren die Auswirkungen in einer Wohngruppe für Jugendliche des Vereins Kinderarche in einem ehemaligen Kasernengebäude in Kamenz. Mangelnde Dämmung und unzureichender Sonnenschutz machten das Dachgeschoss zur Hitzefalle. Gärtner schildert: „Die haben es jetzt in der Hitzezeit überhaupt nicht mehr kalt gekriegt. Das ging nicht. Und da kam es jetzt auch, dass dann Kinder nicht in die Schule gehen konnten, weil die einfach die ganze Nacht nicht geschlafen haben.“

Fördermittel nur für grüne Maßnahmen

Der Verein Kinderarche hatte im Herbst den Zuschlag für Fördermittel zur Klimaanpassung des Bundes erhalten. In Workshops mit Bau- und Architekturbüros wurden Maßnahmen wie Begrünung, Klimaanlage oder Dachdämmung erarbeitet. Doch Gärtner kritisiert: „Aber es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass der Bund nur grüne Maßnahmen fördert, nur Fassadenbegrünung oder im Außengelände.“ Es bleibe eine Lücke: „Jetzt stehen wir eigentlich vor den Hitzeherausforderungen und da macht gerade keiner was. Es bietet keiner Förderung an und wir können das gar nicht finanzieren.“

Hitzetote: 5.100 im Juni

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts hat die Hitzephase ab Mitte Juni rund 5.100 Menschen das Leben gekostet – bereits zur Jahresmitte deutlich mehr als die durchschnittlich 2.900 hitzebedingten Todesfälle pro Jahr in den Jahren 2023 bis 2025. Der Deutsche Wetterdienst hatte im Juni mehrfach Temperaturen über 41 Grad registriert. Michael Richter vom Paritätischen betont, dass das Problem gleichermaßen Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser betreffe.

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