Stade: Zehn Tage nach Amoklauf – Mitarbeiter holen Sachen der Toten
Stade: Zehn Tage nach Amoklauf – Toten Sachen geholt

Zehn Tage nach dem Amoklauf von Stade kehrt für einen kurzen Moment Leben an den Ort zurück, an dem sechs Menschen sterben mussten. Hinter den roten Mauern der Mutter-Kind-Einrichtung in der Dankersstraße sind die Spuren der Bluttat noch allgegenwärtig. Hier erschoss der mutmaßliche Täter am 29. Juni sechs Menschen – vier Frauen und zwei Männer. Sie waren zu einem Hilfeplangespräch zusammengekommen, um über die Zukunft eines drei Monate alten Babys zu sprechen.

Mitarbeiter betreten erstmals nach der Tat das Gebäude

Am Donnerstag gegen 10 Uhr rollen mehr als fünf Fahrzeuge auf das Gelände. Erstmals seit der Bluttat dürfen Mitarbeiter der Einrichtung und des Landkreises nach Polizeiangaben wieder das Gebäude betreten. Nach und nach tragen sie Plastiktüten und Kartons mit persönlichen Gegenständen aus den Räumen. Es sind die Sachen der elf Heimbewohnerinnen, die mit ihren Kindern (0-6) wenige Minuten nach der Bluttat evakuiert wurden. Und auch der Toten: Erinnerungsstücke, Dokumente und Kleidung, die zurückgeblieben sind. Jeder Gang durch die Zimmer erinnert daran, was hier geschehen ist. Auch der Dodge-Pickup des Heimleiters wird laut BILD-Informationen von einer Frau weggefahren.

Spurensicherung und Drohne im Einsatz

Außen vermessen Beamte der Spurensicherung das gesamte Gelände Zentimeter für Zentimeter. Ermittler schwenken Metalldetektoren über den Vorgarten und suchen nach weiteren möglichen Beweisstücken. Über dem Gebäude steigt eine Polizeidrohne auf und fertigt neue Luftaufnahmen des Tatorts an. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft: „Ich bestätige, dass heute Spurensicherungsmaßnahmen stattfinden und mit der Drohne Aufnahmen vom Tatort gemacht werden.“ Die Mordkommission versucht, den Ablauf der Tat am Mittag des 29. Juni lückenlos zu rekonstruieren.

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Hintergrund des Hilfeplangesprächs

Danach waren an diesem Tag drei Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover zu einem Hilfeplangespräch nach Stade gefahren. Gemeinsam mit den beiden Chefs und einer Praktikantin der Jugendhilfeeinrichtung sollte über die Zukunft des drei Monate alten Mädchens gesprochen werden. Hintergrund war ein Sorgerechtsstreit zum Schutz des Kindes. Fatih G. (45), der Vater des Kindes und polizeibekannt, soll kurz nach dem Gespräch mit einer Beretta-Pistole mehrfach geschossen haben. Vier Menschen starben sofort. Eine Frau erlag trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen ihren Verletzungen. Ein Mann starb später im Krankenhaus. Seine Frau (34) und Baby, die auch bei dem Gespräch gewesen waren, blieben unverletzt.

Flucht und Festnahme

Nach der Tat flüchtete der mutmaßliche Mörder in einem silbernen Mercedes-AMG. Am Steuer: Sylvia S. aus Bremen. Die 65-Jährige ist Migrations-Aktivistin und Schwiegermutter des niedersächsischen Migrationsbeauftragten Deniz Kurku (43, SPD). Rund 20 Minuten später stoppte die Polizei das Fahrzeug auf der Bundesstraße 73 bei Haddorf und nahm den Verdächtigen fest. Gegen ihn besteht Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts des sechsfachen Mordes. Kindsmutter und Fahrerin stehen unter Mordverdacht, sind weiterhin auf freiem Fuß.

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