72-jähriger Pfleger erliegt Verletzungen nach Tigerattacke
Mehr als zwei Monate nach dem Angriff eines entlaufenen Tigers in Schkeuditz bei Leipzig ist das damalige Opfer seinen schweren Verletzungen erlegen. Wie die Leipziger Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte, starb der 72-jährige Mann bereits am vergangenen Freitag. Seit dem Vorfall Mitte Mai habe er sich ununterbrochen in stationärer Behandlung befunden. Der Leichnam soll nun obduziert werden.
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung
Die Ermittlungsbehörde hat ein Verfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen eingeleitet. Ziel ist es, die genauen Umstände des Angriffs und der anschließenden medizinischen Versorgung zu klären. Der Tiger namens Sandokan hatte den Pfleger am 15. Mai attackiert, als dieser sich in dem Gehege aufhielt. Das Tier biss und kratzte den Mann, der dabei multiple Wunden erlitt. Nach dem Angriff gelang es dem Tiger, aus dem Gehege auszubrechen und in eine benachbarte Gartenanlage zu flüchten.
Tiger nach kurzer Flucht erschossen
Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, darunter auch Spezialkräfte. Noch am selben Tag wurde der Tiger in der Gartenanlage aufgespürt und aus Sicherheitsgründen erschossen. Nach Angaben der Polizei sei dies zum Schutz der Bevölkerung notwendig gewesen. Das Landratsamt Nordsachsen stellte später fest, dass die Haltungsbedingungen der Tiere nicht den Mindestanforderungen entsprachen.
Hintergründe zur privaten Tigerhaltung
Die Raubkatze Sandokan gehörte zu einer Gruppe von Tigern, die von der ehemaligen Dompteurin Carmen Zander (52) in einem Ortsteil von Schkeuditz privat gehalten wurden. Der verstorbene 72-Jährige war offenbar einer der Pfleger. Zunächst war von leichten Verletzungen die Rede, doch der Gesundheitszustand des Mannes verschlechterte sich im Laufe der Wochen. Die Behörden prüfen nun, ob die Halterin ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen ist und ob weitere Sicherheitsmaßnahmen hätten ergriffen werden müssen.
Diskussion um Privathaltung von Wildtieren neu entfacht
Der Fall hat erneut die Debatte über die private Haltung gefährlicher Wildtiere in Deutschland entfacht. Tierschutzorganisationen fordern ein bundesweites Verbot oder zumindest strengere Auflagen. Der Ausbruch des Tigers und der darauffolgende Tod des Pflegers zeigen nach Ansicht von Kritikern die Risiken solcher Haltungen auf. Die Staatsanwaltschaft will nun auch prüfen, ob Dritte für den Tod des Mannes strafrechtlich verantwortlich gemacht werden können.



