Die geplante Kürzung des staatlichen Unterhaltsvorschusses sorgt für Empörung bei betroffenen Alleinerziehenden. Anne Schmidt, eine 36-jährige Friseurmeisterin aus Berlin-Neukölln, und Delia Keller, die ihre Kinder ebenfalls ohne Unterstützung der Väter großzieht, fürchten um ihre Existenz. „Wir würden weiter in die Armut abrutschen“, warnt Schmidt.
Staatliche Unterstützung in Gefahr
Der Unterhaltsvorschuss ist eine staatliche Leistung für Kinder, deren unterhaltspflichtiger Elternteil nicht oder nicht vollständig zahlt. Derzeit erhalten berechtigte Familien monatlich bis zu 230 Euro pro Kind. Die Bundesregierung plant jedoch, diese Unterstützung zu kürzen, um Haushaltsmittel einzusparen. Konkrete Zahlen zur geplanten Kürzung liegen noch nicht vor, doch Betroffene schlagen bereits Alarm.
Anne Schmidt ist alleinerziehend und kümmert sich um ihren Sohn Linus, der aufgrund einer Erkrankung regelmäßig Therapie benötigt. Der Vater des Jungen kommt seiner Unterhaltspflicht nicht nach. „Ohne den Unterhaltsvorschuss könnte ich die Therapie meines Sohnes nicht bezahlen“, sagt Schmidt. Sie arbeitet Vollzeit als Friseurmeisterin, doch die Kosten für Miete, Lebensmittel und medizinische Versorgung verschlingen einen Großteil ihres Einkommens.
Existenzängste bei Alleinerziehenden
Delia Keller, ebenfalls alleinerziehend, teilt diese Sorgen. Sie hat zwei Kinder und erhält ebenfalls Unterhaltsvorschuss. „Der Staat ist für mich der einzige verlässliche Partner bei der Kindesunterstützung“, erklärt Keller. Die geplante Kürzung würde bedeuten, dass sie monatlich mehrere hundert Euro weniger zur Verfügung hätte. „Das wäre eine Katastrophe für uns“, so Keller weiter.
Laut Statistischem Bundesamt beziehen rund 800.000 Kinder in Deutschland Unterhaltsvorschuss. Die Gesamtausgaben des Bundes dafür beliefen sich im Jahr 2023 auf etwa 2,1 Milliarden Euro. Eine Kürzung würde vor allem Familien treffen, die bereits am Rande des Existenzminimums leben.
Politischer Widerstand formiert sich
Die geplante Kürzung stößt auch in der Politik auf Kritik. Die Familienpolitikerin der Grünen, Ekin Deligöz, bezeichnete die Pläne als „falsches Signal“. Sie forderte die Bundesregierung auf, die Unterstützung für Alleinerziehende nicht zu reduzieren, sondern auszubauen. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Sozialverband Deutschland (SoVD) haben sich gegen die Kürzung ausgesprochen.
Anne Schmidt und Delia Keller hoffen nun, dass ihre Stimmen gehört werden und die Politik von der Kürzung absieht. „Wir wollen nicht auf der Strecke bleiben“, sagt Schmidt. „Unsere Kinder haben ein Recht auf Unterstützung.“



