Unterhaltsvorschuss: Streit um Reform und Zahlungsmoral der Eltern
Unterhaltsvorschuss: Streit um Reform und Zahlungsmoral

Koalition streitet über Reform des Unterhaltsvorschusses

Die Bundesregierung ringt um eine Reform des Unterhaltsvorschusses. Bislang springt der Staat bei rund 850.000 Kindern und Jugendlichen ein, weil die unterhaltspflichtigen Eltern nicht oder nicht genug zahlen. Die zentrale Frage lautet: Können sie nicht – oder wollen sie nicht? Ein Interview mit einer Familienrechtlerin gibt Aufschluss über die Praktiken zahlungsunwilliger Väter.

„Es gibt Väter, die plötzlich Teilzeit arbeiten, um sich zu drücken“

Die Familienrechtlerin betont, dass viele Väter ihre Arbeitszeit reduzieren, um geringere Unterhaltszahlungen leisten zu müssen. „Es gibt Väter, die plötzlich Teilzeit arbeiten, um sich zu drücken“, zitiert sie der SPIEGEL. Dies sei eine bewusste Strategie, um die gesetzliche Unterhaltspflicht zu umgehen. Der Staat müsse dann einspringen, was die öffentlichen Kassen belaste.

850.000 Kinder sind auf staatliche Leistungen angewiesen

Der Unterhaltsvorschuss wird für Kinder bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres gezahlt, wenn der unterhaltspflichtige Elternteil keinen oder zu geringen Unterhalt leistet. Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums erhalten derzeit rund 850.000 Kinder diese Leistung. Die Koalition diskutiert nun, ob die Voraussetzungen verschärft oder die Zahlungen ausgeweitet werden sollen.

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Streitpunkt: Sanktionen für säumige Eltern

Ein zentraler Streitpunkt ist die Frage nach Sanktionen für Eltern, die ihre Zahlungspflicht umgehen. Die Familienrechtlerin fordert härtere Maßnahmen: „Wer bewusst sein Einkommen mindert, um Unterhalt zu sparen, muss mit Konsequenzen rechnen.“ Die Koalition ist sich uneinig, ob und wie solche Sanktionen ausgestaltet werden sollen. Während die Union strengere Regeln fordert, warnen die Grünen vor zu harten Eingriffen in die Privatsphäre.

Finanzielle Belastung für den Staat steigt

Die steigende Zahl der Empfänger von Unterhaltsvorschuss belastet die öffentlichen Haushalte. Im Jahr 2025 gab der Bund rund 2,3 Milliarden Euro für diese Leistung aus. Experten erwarten, dass die Summe weiter steigen wird, wenn keine Reform erfolgt. Die Familienrechtlerin kritisiert, dass der Staat zu oft für zahlungsunwillige Eltern einspringe: „Für viele Menschen wird es eng, aber der Staat kann nicht immer die Lücken füllen.“

Reformpläne der Koalition

Die Koalition plant, den Unterhaltsvorschuss zu reformieren. Diskutiert wird eine Verlängerung der Bezugsdauer oder eine Anhebung der Höchstbeträge. Gleichzeitig sollen die Rückforderungsmöglichkeiten gegenüber säumigen Eltern verbessert werden. Die Familienrechtlerin begrüßt die Pläne, mahnt aber: „Es muss sichergestellt sein, dass diejenigen, die zahlen können, auch zahlen.“ Sie plädiert für eine stärkere Kontrolle der Einkommensverhältnisse unterhaltspflichtiger Eltern.

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