Alkoholverbot auf Bahnsteigen: Ein Kommentar zur Sicherheit im Zugverkehr
Alkoholverbot auf Bahnsteigen: Kommentar zur Sicherheit

Die Deutsche Bahn reagiert auf zunehmende Gewaltvorfälle und verbietet Bier, Wein und Schnaps auf Bahnhöfen. Ein Kommentar von Birgitta Stauber, Textchefin der Funke Mediengruppe, beleuchtet die Hintergründe und die schwierige Balance zwischen Freiheit und Sicherheit.

Alkoholexzesse auf Zugreisen: Ein alltägliches Problem

Bereits am Samstag um 9 Uhr früh lassen Frauen auf Tour die Sektkorken im Großraumwagen knallen. Für Junggesellenabschiede ist die Zugfahrt der Auftakt zum Promille-Wochenende. Fußballfans betreten den Zug oft schon blau und auf Krawall gebürstet. Und dann ist da noch das Pärchen, das sich still auf seinen Sitzen besäuft – und das letzte Bier auf dem Gang zur Toilette über diese Autorin kippt. Wer viel Zug fährt, kennt die Reisenden, die den Weg zum Ziel als Party-Event nutzen. Es ist ihnen egal, welchen Raum sie dabei einnehmen, wie sehr Familien, Dienstreisende und Urlauber genervt sind.

Gewalttätige Eskalation: Ein Kontrolleur lebensgefährlich verletzt

Wenn es richtig schlecht läuft, wird aus dem Alkohol-Exzess ein lebensgefährlicher Gewalt-Exzess. Genau dies bekam in der vergangenen Woche zwischen dem südbadischen Offenburg und Karlsruhe ein Kontrolleur zu spüren, der im Gerangel mit einem Fahrgast aus dem Zug fiel und dabei lebensgefährlich verletzt wurde. Die Bahn reagiert nun mit einem Verbot des Vortrinkens auf dem Bahnhof – eine verständliche Maßnahme, schließlich geht es um die Sicherheit von Mitarbeitern und Fahrgästen.

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Die Grenzen des Verbots: Kontrolle und Ausnahmen

Doch was ist mit dem mitgebrachten Bier für die Heimfahrt nach einer anstrengenden Arbeitswoche? Und überhaupt: Mit Geld lässt sich in Bahnhofsgaststätten und im Bordbistro so viel trinken wie gewünscht. Ein Alkoholverbot lässt sich kaum kontrollieren, wenn das Gin-Tonic-Gemisch in der Thermoskanne steckt und der Vorrat an „Piccolöchen“ in der Handtasche. Und dann ist da auch noch der Alkohol, der längst im Körper steckt. Dass sich trinkfreudige Fahrgäste herausziehen lassen, bevor sie einen Zug betreten, dürfte die Ausnahme sein.

Ein Zeichen setzen: Der Bahnsteig ist kein Partykeller

Doch ein Bahnsteig ist kein Partykeller, ein Zugabteil keine Kneipentheke. Sondern ein Raum, in dem viele Menschen auf wenig Platz zusammenkommen. Ohne Regeln, Respekt und ein gewisses Einfühlungsvermögen für die Empfindungen der Mitreisenden geht es nicht. Und doch ist ein Verbot die richtige Reaktion auf alkoholbedingte Eskalation. Wenn nur die im Hinterkopf verborgenen Benimmregeln ins Bewusstsein geholt werden, ist schon viel gewonnen.

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