Berlins verzweifelter Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner
Der Eichenprozessionsspinner überfordert Anwohner, Bezirke und Senat. Die Raupe wird zur Berliner Systemfrage. Am Ende kommt der Staubsauger zum Einsatz.
Die Retter in Weiß tragen FFP3-Masken, Schutzbrillen, Kapuzen und mit Klebeband fixierte Handschuhe. Die festgezurrte Brille beschlägt, der Atem staut sich. Merkwürdig vertraut fühlt sich auch als Reporterin die FFP3-Maske an – ein Déjà-vu, das an Coronazeiten erinnert. Doch diesmal sind es keine gefährlichen Viren, die Deutschland und insbesondere Berlin in Aufruhr versetzen. Es sind Raupen. Millionen davon. Bis zu fünf Zentimeter lang mit expressivem Büschelhaar.
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners verursachen erhebliche gesundheitliche Probleme. Ihre Brennhaare lösen bei Kontakt Hautausschläge, Atembeschwerden und allergische Reaktionen aus. Besonders betroffen sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Die Bekämpfung gestaltet sich schwierig, da die Raupen in den Kronen hoher Eichen leben und sich von dort aus verbreiten.
Die Berliner Bezirke sind mit der Situation überfordert. Es fehlt an Personal, Ausrüstung und koordinierten Maßnahmen. Der Senat wird kritisiert, nicht ausreichend zu handeln. Anwohner klagen über unzureichende Information und mangelnde Unterstützung. In einigen Stadtteilen wurden bereits Bürgerinitiativen gegründet, die selbstständig gegen die Plage vorgehen.
Ein Hoffnungsschimmer ist der Einsatz von Staubsaugern, die speziell für die Entfernung der Raupen entwickelt wurden. Diese Geräte saugen die Tiere samt ihrer Nester ab und verhindern so die weitere Verbreitung. Allerdings sind die Kosten hoch, und die Geräte müssen regelmäßig gewartet werden. Zudem ist der Einsatz wetterabhängig, da die Raupen bei Regen oder Wind nicht aktiv sind.
Die Situation spitzt sich zu, und viele fragen sich, wie es weitergehen soll. Der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner wird zur Systemfrage: Wer ist zuständig, wer bezahlt, und wie kann die Gesundheit der Bevölkerung geschützt werden? Die Antworten bleiben bisher vage. Klar ist nur: Der Sommer wird lang und die Raupenplage wird bleiben.



