Glühwürmchen bei Hitze: Beste Sichtung und Anlock-Tipps
Glühwürmchen bei Hitze: Beste Sichtung und Tipps

Die aktuelle Hitzewelle in Deutschland sorgt für ideale Bedingungen, um Glühwürmchen zu beobachten. Die kleinen Leuchtkäfer sind bei warmem und feuchtem Wetter besonders aktiv – genau das, was die vergangenen Tage mit hohen Temperaturen und regionalen Regenschauern geboten haben. „Wenn es in der Luft gespenstisch leuchtet, sind das immer Männchen des Kleinen Leuchtkäfers“, erklärt Helge May vom Naturschutzbund (Nabu) der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die flugunfähigen Weibchen sitzen leuchtend am Boden oder auf erhöhten Plätzen und warten auf Bewerber.

Beste Uhrzeit für die Glühwürmchen-Beobachtung

Das Leuchtspektakel beginnt typischerweise gegen 22 Uhr und dauert bis etwa Mitternacht, so der Nabu. Wer das Schauspiel erleben möchte, sollte sich jedoch beeilen: Üblicherweise lässt die Aktivität im Laufe des Juli deutlich nach, vielerorts ist etwa Mitte Juli der Höhepunkt bereits überschritten. „Zumindest bisher ist von einem guten Glühwürmchenjahr auszugehen“, bestätigt May, solange nicht abends zur Flugzeit Gewitter niedergehen.

Warum leuchten Glühwürmchen?

Glühwürmchen erzeugen ihr Licht durch Biolumineszenz. Dabei reagieren unter anderem das Enzym Luciferase und der Stoff Luciferin miteinander – anders als bei einer Flamme entsteht dabei nahezu keine Wärme. Das Leuchtorgan sitzt auf der Bauchseite des Hinterleibs, der Chitinpanzer ist dort ausgedünnt und lichtdurchlässig.

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Lebenszyklus der Glühwürmchen

Bis aus einem Ei ein erwachsener Käfer wird, vergehen bei unseren Leuchtkäfer-Arten im Schnitt rund drei Jahre. Aus dem im Waldboden oder an feuchten Oberflächen abgelegten Ei schlüpft nach einigen Wochen eine asselähnliche Larve. Sie bevorzugt feuchte Wiesen, Waldränder und gehölznahe Bereiche und häutet sich während ihrer Entwicklung mehrfach. Nach etwa drei Jahren Larvenphase folgt die Verpuppung. Kurz darauf schlüpft der fertige Käfer – und begibt sich rund um die Sommersonnenwende auf Partnersuche. Das Erwachsenenleben dauert nur kurz: Die Männchen leben meist nur wenige Tage bis wenige Wochen und sterben nach der Paarungszeit, die Weibchen etwas später, nachdem sie ihre Eier abgelegt haben.

Glühwürmchen in den Garten locken

Schnecken-geplagte Gartenbesitzer sollten wissen: Glühwürmchen-Larven jagen gezielt Nacktschnecken. Die Larven folgen der Schleimspur, rammen ihren Kiefer in die Schnecke und injizieren eine lähmende, vorverdauende Flüssigkeit – ein Giftbiss, der für die Schnecke tödlich ist. Wer besonders viele Glühwürmchen haben möchte, kann einige Tipps beherzigen:

  • Künstliche Beleuchtung minimieren. Helle Lampen und Dauerbeleuchtung erschweren es den Leuchtkäfern, die Lichtsignale ihrer Partner zu erkennen.
  • Keine Chemie im Garten. Schneckenkorn zum Beispiel dezimiert nicht nur Schnecken, sondern tötet auch die Glühwürmchen-Larven, die die Schnecken fressen.
  • Wiese statt Zierrasen. Höhere Gräser und Wildpflanzen bieten Deckung und ein feuchteres Mikroklima für Weibchen und Larven.
  • Naturnahe Strukturen schaffen. Hecken, Totholz, Steinhaufen und Schnittguthaufen bieten Unterschlupf und feuchte Rückzugsräume für Larven sowie erhöhte Sitzplätze für leuchtende Weibchen. Die in Schnittguthaufen entstehende Wärme kann die Tiere zusätzlich anziehen.

Historische Perspektive: Glühwürmchen seit der Kreidezeit

Schon Dinosaurier könnten Glühwürmchen-ähnliche Lichter gesehen haben: Biolumineszenz bei Insekten gab es nach heutigem Wissensstand bereits in der Kreidezeit. Ein in Bernstein eingeschlossenes, den Leuchtkäfern (Lampyridae) zugerechnetes Insekt lebte vor etwa 99 Millionen Jahren, wie Forschende 2024 im Fachjournal „Proceedings B“ der britischen Royal Society berichteten. Heute sind weltweit mehr als 2.000 Arten von Leuchtkäfern bekannt, in Mitteleuropa kommen jedoch nur wenige Arten vor – darunter Kleiner Leuchtkäfer, Großer Leuchtkäfer und Kurzflügel-Leuchtkäfer.

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