Hitzewelle in Berlin: Bundestag sperrt Kuppel, Grillverbot in Parks
Hitzewelle in Berlin: Bundestag sperrt Kuppel und Dachterrasse

Wegen der extremen Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 41 Grad bleibt die Kuppel des Reichstagsgebäudes sowie die Dachterrasse am Samstag und Sonntag für Besucher geschlossen. Das teilte die Bundestagsverwaltung mit. Bereits bestätigte Besuche an diesen Tagen müssten storniert werden. Auch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg untersagt ab Samstag das Grillen in Parks – Grund sind die anhaltende Trockenheit und die hohe Brandgefahr.

Zahlreiche Veranstaltungen abgesagt

Das Berliner Bücherfest auf dem Bebelplatz wurde abgesagt. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) erklärte: „Angesichts der angekündigten Extremwetterlage müssen wir das Berliner Bücherfest schweren Herzens absagen. Sicherheit hat für uns oberste Priorität.“ Auch die Hellersdorfer Mini-WM für Kinder fällt aus, ebenso der Fahrrad-Pride in Potsdam und der Christopher Street Day in Bernau. Die Jüdische Gemeinde Chabad Berlin verschob ihren Festakt auf den 30. August. Der Berliner Fußballverband setzte die meisten Spiele am Wochenende ab.

Gesundheitssenatorin Ina Czyborra appellierte an die Bevölkerung: „Schützen Sie sich und andere vor Hitze und UV-Strahlung. Trinken Sie ausreichend, vermeiden Sie körperliche Belastungen und suchen Sie kühle Räume auf.“ Sie bat um gegenseitige Unterstützung in der Nachbarschaft.

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Hitzeschutz für Obdachlose und Postzusteller

Die Caritas bietet an drei Tagen pro Woche Hitzehilfe für Obdachlose: kühle Getränke, Sonnencreme und Kopfbedeckungen. Sonntags steht ein Schutzraum in der Residenzstraße zur Verfügung. Die Deutsche Post und DHL verstärkten ihre Schutzmaßnahmen für rund 8.000 Zusteller. Jede Zustellkraft kann eine „Cool-Box“ mit Kühltuch, Pulskühler und Nackenschutz bestellen. Zudem sind Langarmshirts und Bermuda-Shorts erhältlich. Ein Sprecher betonte: „Die Zusteller werden ausdrücklich angehalten, ausreichend zu trinken, Sonnenschutz zu verwenden und Schatten aufzusuchen.“

Kirchen als kühle Zufluchtsorte

Viele Berliner Kirchen öffnen als „Kühle Kirchen“ ihre Türen. Bischof Christian Stäblein lud ein, „länger in der Kirche zu sitzen, den Kopf zu kühlen und den Geist zu stärken“. Teilweise werden Wasser, Kinderspielecken und freies Internet angeboten.

Badeunfall und Freibad-Probleme

Ein 17-Jähriger erlitt an der Krummen Lanke einen Badeunfall. Zeugen zogen ihn leblos aus dem Wasser, Rettungskräfte reanimierten ihn. Die Feuerwehr warnte vor dem Springen in unbekannte Gewässer und empfahl, nur zugelassene Badestellen zu nutzen.

Das Columbiabad in Neukölln öffnete am Donnerstagnachmittag wieder, nachdem technische Probleme den Saisonstart verzögert hatten. Das Prinzenbad in Kreuzberg ist ebenfalls wieder geöffnet.

Temperaturen und Rekordprognose

Der bisherige Berliner Hitzerekord liegt bei 38,6 Grad, gemessen am 30. Juni 2019 in Tegel. Meteorologe Stefan Rubach vom DWD sagte: „In dieser Größenordnung werden wir landen. Es wird sehr heiß, ungewöhnlich heiß für Juni.“ Für das Wochenende werden bis zu 41 Grad erwartet. Auch die Nächte bleiben tropisch warm – Meteorologen sprechen ab 20 Grad von einer „Tropennacht“. Berlin erlebt statistisch nur 1,3 solcher Nächte pro Jahr.

Verkehr und Reisetipps

Die Deutsche Bahn bietet kostenlose Stornierungen für Fahrten bis 30. Juni an, sofern das Ticket bis zum 23. Juni gekauft wurde. Beim Konzert von Bruno Mars im Olympiastadion sind alkoholfreie Getränke in Tetra Paks und Weichplastikflaschen bis zu einem Liter erlaubt. Handventilatoren und Fächer sind gestattet. Trinkwasser kann an Wasserhähnen im Stadion abgefüllt werden.

Die Trabrennbahn Mariendorf verschob zwölf Rennen von Sonntag auf Dienstag, um die Pferde vor der Hitze zu schützen. Das Preisgeld von 40.000 Euro bleibt erhalten.

Blutspende und Seniorenservice

Die Blutreserven des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost sind kritisch. Der aktuelle Bestand liegt deutlich unter der erforderlichen Tagesreichweite von vier bis fünf Tagen. Grund ist auch die Hitzewelle, die die Spendenbereitschaft senkt. Der Verein Silbernetz warnt ältere Menschen per Telefon vor Extremwetter und vermittelt Hilfe.

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Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) sagte die Auftaktveranstaltung der Seniorenwoche ab: „So leid es mir tut, aber ich muss die Eröffnungsveranstaltung absagen. Vor allem ältere Menschen sollten bei dieser Hitze zu Hause bleiben.“