Eine neue Auswertung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt, dass ein Viertel aller Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland besonders stark von einem sogenannten Jahrhunderthochwasser betroffen wäre. Ein solches Extremereignis hatte im Juli 2021 das Ahrtal verwüstet und mehr als 180 Menschenleben gefordert. Die Analyse basiert auf hydrologischen Daten und Klimamodellen, die die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß von Überschwemmungen bei einem statistisch einmal in 100 Jahren auftretenden Hochwasser bewerten.
Regionale Unterschiede beim Hochwasserrisiko
Die DUH hat für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt eine Risikobewertung vorgenommen. Besonders betroffen sind demnach Regionen entlang großer Flüsse wie Rhein, Donau, Elbe und deren Nebenflüsse. Aber auch viele Mittelgebirgsregionen mit steilen Tälern, wie der Harz oder das Erzgebirge, weisen ein hohes Gefährdungspotenzial auf. Laut der Auswertung wären bei einem Jahrhunderthochwasser etwa 13 Millionen Menschen direkt oder indirekt betroffen – das entspricht rund 16 Prozent der deutschen Bevölkerung.
Kritik an unzureichendem Hochwasserschutz
Die DUH kritisiert, dass der Hochwasserschutz in vielen Regionen nicht ausreichend an die Folgen des Klimawandels angepasst sei. „Die Flutkatastrophe im Ahrtal war ein Weckruf, aber vielerorts wurde daraus nicht die nötige Konsequenz gezogen“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. „Wir brauchen eine bundesweite Strategie, die natürliche Überschwemmungsflächen erhält und Siedlungen besser schützt.“ Die Organisation fordert unter anderem ein Verbot von Neubauten in ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten und eine verbesserte Frühwarnung.
Bundesregierung verspricht mehr Investitionen
Als Reaktion auf die DUH-Studie kündigte das Bundesumweltministerium an, die Mittel für den vorbeugenden Hochwasserschutz aufzustocken. „Wir werden in den nächsten Jahren zusätzlich 500 Millionen Euro bereitstellen, um Deiche zu verstärken und Rückhaltebecken zu bauen“, erklärte eine Sprecherin. Allerdings betonten Experten, dass dies nur ein erster Schritt sei und langfristig deutlich höhere Summen nötig seien.
Bürger können Risiko selbst prüfen
Die DUH hat eine interaktive Karte veröffentlicht, auf der Bürger das Hochwasserrisiko für ihre Gemeinde abrufen können. Die Karte zeigt für jede der rund 11.000 Gemeinden in Deutschland die Gefährdungsklasse (niedrig, mittel, hoch). Nach Angaben der DUH ist die Karte ein wichtiges Instrument, um Eigenvorsorge zu betreiben – etwa durch den Einbau von Rückstauklappen oder die Anpassung von Heizungsanlagen im Keller.



