Ein einfacher Kreide-Trick aus Frankreich sorgt für Aufsehen: Immer mehr Menschen bestreichen ihre Fenster mit einer Mischung aus Wasser und feiner Kreide, um Wohnungen ohne Klimaanlage kühler zu halten. Das sogenannte Blanc de Meudon bildet nach dem Trocknen einen milchig-weißen Film auf der Scheibe, der Licht durchlässt, aber einen Großteil der Sonnenwärme draußen hält. Die Nachfrage ist so hoch, dass das Kreidepulver in einigen französischen Geschäften bereits knapp geworden ist.
Warum weiße Oberflächen gegen Hitze helfen
Dass weiße Oberflächen Gebäude kühler halten, ist seit Langem bekannt. Helle Flächen werfen einen großen Teil der Sonnenstrahlen zurück, während dunkle Materialien deutlich mehr Wärme aufnehmen. Deshalb sind in vielen heißen Regionen der Welt Häuser traditionell weiß gestrichen. Studien zeigen, dass weiße Anstriche auf Dächern oder Wänden die Temperatur eines Gebäudes spürbar senken können. Besonders wirksam sind spezielle Kühlfarben, die nicht nur Sonnenlicht reflektieren, sondern zusätzlich Wärme wieder an die Umgebung abgeben. Dadurch kann es in Innenräumen mehrere Grad kühler werden.
Kreide reflektiert Sonnenstrahlen besonders gut
Der entscheidende Bestandteil von Kreide ist Calciumcarbonat. Dieses Material nimmt nur sehr wenig Sonnenstrahlung auf. Es reflektiert sichtbares Licht ebenso wie große Teile der ultravioletten und nahen infraroten Strahlung – also genau jene Strahlen, die Oberflächen stark erwärmen. Forscher nutzen Calciumcarbonat deshalb inzwischen auch für moderne Kühlfarben. Dort kommen winzige Partikel des Minerals zum Einsatz, um möglichst viel Sonnenenergie zurückzuwerfen. Nach Einschätzung von Wissenschaftlern kann eine weiße Beschichtung auf Fenstern die Raumtemperatur sogar stärker senken als ein weißer Anstrich an den Außenwänden. Denn über Fenster gelangt besonders viel Sonnenwärme ins Gebäude.
Günstig und ohne Strom
Im Gegensatz zu Klimaanlagen benötigt die Kreidebeschichtung keinen Strom. Während Klimageräte zusätzlich Wärme nach draußen abgeben und Energie verbrauchen, entsteht der größte Energieaufwand bei der Kreidemethode lediglich bei der Herstellung des Materials. Auch sogenannte „Cool Roofs“, also helle oder speziell beschichtete Dächer, gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung. Untersuchungen legen nahe, dass solche Dächer während einer Hitzewelle sogar ganze Stadtgebiete etwas abkühlen können. Eine Studie kam für London zu dem Ergebnis, dass die Durchschnittstemperatur während einer Hitzewelle um rund 0,8 Grad Celsius sinken könnte. Dadurch ließen sich zahlreiche hitzebedingte Todesfälle vermeiden.
Kein Wundermittel
Ganz ohne Einschränkungen funktioniert der Kreide-Trick allerdings nicht. Französische Behörden weisen laut BBC darauf hin, dass weiße Fenster keine schlechte Gebäudedämmung ersetzen können. Gut isolierte Dächer und ein wirksamer Sonnenschutz bleiben entscheidend, um Wohnungen dauerhaft kühl zu halten. Hinzu kommt: Wird Kreide als feines Pulver in Innenräumen verarbeitet, sollten Staub und das Einatmen der Partikel möglichst vermieden werden.
Ungewöhnliche Alternativen: Joghurt als Kühlmittel
Forscher haben sogar noch ungewöhnlichere Methoden untersucht. In Großbritannien testete ein Team einen dünnen Joghurtfilm auf Fensterscheiben. Im Durchschnitt war es in den Räumen etwa 0,6 Grad kühler als ohne Beschichtung. Bei starker Sonneneinstrahlung wurden sogar Temperaturunterschiede von bis zu 3,5 Grad gemessen. Der anfängliche Geruch verschwand laut den Forschenden nach dem Trocknen weitgehend wieder.



