Bei Mega-Events wie Weltmeisterschaften und großen Konzerttourneen verursacht die An- und Abreise der Zuschauer den Großteil der Kohlendioxid-Emissionen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam der Universität Cambridge. Als positives Beispiel nennen die Wissenschaftler die britische Band Coldplay, die den CO2-Ausstoß ihrer Konzerte und Fanreisen etwa halbiert habe.
Studie: Fanreisen dominieren CO2-Bilanz
Die Forscher veröffentlichten ihre Analyse im Journal „Communications Sustainability“. Hauptautor Shaun Larcom betont: „Wirksame Klimastrategien für Mega-Events wie die Fußball-Weltmeisterschaft gehen weit über die Reduzierung der betrieblichen Emissionen an den Veranstaltungsorten hinaus, da dies nur einen Bruchteil des gesamten CO2-Fußabdrucks ausmacht.“ Als Beispiel nennen sie die WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada. Dort entfallen 82 Prozent der Emissionen auf die Reisen der Fans.
Coldplay als Vorbild: 59 Prozent weniger direkte Emissionen
Für ihre Europa-Tour 2024 mit 32 Konzerten setzte Coldplay auf Solaranlagen, aufladbare Autobatterien, emissionsärmere Kraftstoffe und Anreize für Fans zu nachhaltigem Reisen. Die direkten Treibhausgas-Emissionen der Band und der Konzerte sanken um 59 Prozent. Allerdings machten diese nur einen Bruchteil der Gesamtmenge aus: 97 Prozent der Gesamtemissionen stammten von den Fanreisen, die jedoch um rund 48 Prozent reduziert wurden. Die gesamte Tour verursachte Treibhausgase entsprechend 58,5 Kilotonnen CO2-Äquivalenten – etwa so viel wie der Jahresausstoß von 5700 Bundesbürgern.
Rabatte und Ticketpreise als Hebel
Das Forschungsteam schlägt vor, dass Veranstalter wie die FIFA oder Popstars Rabatte für Fans anbieten sollten, die umweltfreundlich anreisen. Zudem könne Klimaschutz über Ticketpreise finanziert werden. Für die Coldplay-Tour ergäbe sich bei Einrechnung der Emissionen ein Aufschlag von etwa 11 US-Dollar pro Ticket, für die WM 2026 rund 114 US-Dollar. Die wirtschaftlichen Schäden der Gesamtemissionen der WM beziffern die Forscher auf 787 Millionen US-Dollar.
Drei zentrale Vorschläge der Forscher
Das Team macht drei konkrete Vorschläge: Erstens eine Erhöhung der Ticketpreise mit Rückvergütung für nachweislich nachhaltige Anreise. Zweitens eine Minimierung des Reiseaufwands durch mehr Veranstaltungsorte in regionalen Zentren. Für die WM könnte eine Verlegung nach Europa die Emissionen erheblich senken, da etwa 40 Prozent der internationalen Teilnehmer von dort kommen. Drittens sollten Fans ermutigt werden, ihre CO2-Emissionen freiwillig über zertifizierte Kompensationsprogramme zu kompensieren – aber erst nach Ausschöpfung aller anderen Optionen.
Kontrolle und Vertrauen
Coldplay nutzte eine App, mit der Fans die Auswirkungen ihrer Reisen berechnen und für CO2-armen Transport Rabatte auf Fanartikel erhalten konnten. Nach der Tour ließ die Band die Emissionsreduktion vom Massachusetts Institute of Technology verifizieren. Jascha Servi, einer der Erstautoren, sagte: „Auf dieser kleinen Ebene war ein gewisses Maß an Vertrauen erforderlich. Die Überprüfung belegte, dass die Fans ihren selbst angegebenen Reiseweg tatsächlich eingehalten haben.“ Als nächsten Schritt könne man Quittungen etwa von Zugtickets verlangen.
Kultureller Einfluss der Stars
Mega-Events generierten einen erheblichen wirtschaftlichen Wert, und Stars hätten eine einzigartige Nähe zu ihrem Publikum, „was ihnen sowohl die Mittel als auch den kulturellen Einfluss gibt, um beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle einzunehmen“, so Servi. Als weiteres Beispiel nennen die Forscher die US-Band AJR, die gemeinsam mit lokalen Interessengruppen ihre Fans in Klimaschutzkampagnen eingebunden habe. Hauptautor Larcom ergänzt: „Wenn Taylor Swift beschließen würde, Klimaverträglichkeit in den Mittelpunkt ihrer Tourneen zu stellen, könnte das mehr Veranstaltungsorte und weniger Reisen für ihre Fans bedeuten sowie Ticketrabatte für Zugfahrten statt Flüge.“



