Eine aktuelle Analyse der Nichtregierungsorganisation „Scientists for Global Responsibility“ zeigt, dass die meisten Armeen ihre Klimaziele verfehlen. Von 26 untersuchten Ländern, überwiegend Nato-Staaten, haben nur neun konkrete Zwischenziele zur Verringerung ihrer Treibhausgasemissionen. Die Aufrüstung in vielen Staaten untergräbt zudem begrenzte Fortschritte.
Nur wenige Länder mit konkreten Plänen
Die Mehrheit der Staaten hat sich das Ziel gesetzt, ihre Emissionen langfristig auf netto null zu senken – Deutschland bis 2045, die EU und die Nato bis 2050. Damit das gelingt, muss auch das Militär seinen Beitrag leisten. Der Analyse zufolge haben nur neun der 26 Länder konkrete Zwischenziele. Vier davon – Australien, Irland, Slowenien und die Schweiz – beziehen sowohl direkte als auch indirekte Emissionen aus Lieferketten mit ein. Die übrigen fünf – darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Norwegen – haben Zwischenziele, die 17 bis 92 Prozent ihrer direkten Emissionen abdecken. Nur Irland und Slowenien haben Ziele, die mit einer Klimaneutralität zur Mitte des Jahrhunderts vereinbar sind.
Größte Streitkräfte bleiben tatenlos
Der federführende Autor des Berichts, Stuart Parkinson, kritisierte: „Nun werden selbst diese begrenzten Fortschritte durch riesige Aufrüstungsprogramme untergraben, nicht zuletzt innerhalb der Nato.“ Die weltweit größten Streitkräfte – die USA, China und Russland – haben dem Bericht zufolge überhaupt keine Pläne, ihre Emissionen zu reduzieren. Parkinson betonte: „Wir können es uns nicht leisten, dass die Streitkräfte und ihre Lieferketten von ernsthaften Maßnahmen zur Reduzierung der CO₂-Emissionen ausgenommen bleiben.“
Deutschland: Scheinbarer Vorreiter mit Lücken
Die Bundeswehr verweist in ihrem Nachhaltigkeitsbericht 2024 darauf, dass die Treibhausgasemissionen Deutschlands bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken sollen. Bei der Energieversorgung der Bundeswehr-Liegenschaften seien 2023 bereits rund 82 Prozent weniger Emissionen entstanden – allerdings sei die Zahl der Einrichtungen und das Personal erheblich reduziert worden. Parkinson sagte dazu: „Das Ziel Deutschlands lässt die Hälfte der Kernemissionen unberücksichtigt.“ Emissionen aus Industrie und Lieferketten würden nicht mitgezählt. Zudem sei der Großteil der Verringerungen auf die Schließung von Stützpunkten nach dem Kalten Krieg und auf zivile Maßnahmen zur Dekarbonisierung des Stromnetzes zurückzuführen. Angesichts des massiven Aufrüstungsprogramms würden sogar die bereits erzielten Reduzierungen wieder zunichtegemacht.
Krise mit neuen militärischen Risiken
Militärvertreter und Experten aus den USA, Frankreich und den Niederlanden haben sich im International Military Council on Climate and Security (IMCCS) zusammengeschlossen, um zu erarbeiten, wie das Militär der Klimakrise begegnen sollte. Die Gruppe bemängelte, dass es bislang kein standardisiertes Verfahren zur Messung von Treibhausgasemissionen bei Armeen gibt. Im Pariser Klimaschutzabkommen ist das Militär nicht berücksichtigt. Es habe oft die Sorge gegeben, zu viel Transparenz könnte Armeen strategisch schwächen.



