Der Bezirk Pankow in Berlin hat überraschend seine Neubaupläne für den historischen Parochial-Friedhof in Weißensee aufgegeben. Statt der ursprünglich geplanten 600 Wohnungen und einer Grundschule soll das verwunschene Areal nun weitgehend unangetastet bleiben. Das berichtet der Tagesspiegel unter Berufung auf Bezirkskreise.
Wende in der Planung: Alte Bäume statt Neubauten
Bislang war vorgesehen, auf dem rund 6,5 Hektar großen Friedhofsgelände dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Doch nach intensiven Diskussionen und Protesten von Anwohnern und Naturschützern rudert der Bezirk nun zurück. „Die Zeichen stehen auf Erhalt des Friedhofs als grüne Oase“, sagte ein Sprecher des Bezirksamts dem Tagesspiegel. Die alten Bäume, darunter viele Eichen und Buchen, sollen nicht gefällt werden.
Der Parochial-Friedhof, der 1875 angelegt wurde, ist ein bedeutendes Kulturdenkmal und eine wichtige Grünfläche im dicht besiedelten Berliner Nordosten. Er beherbergt zahlreiche historische Grabstätten und eine artenreiche Flora und Fauna. Der Erhalt des Friedhofs wäre ein Sieg für den Umweltschutz.
Proteste und politischer Druck
Die Pläne für die Bebauung hatten breite Proteste ausgelöst. Bürgerinitiativen sammelten über 10.000 Unterschriften gegen das Vorhaben. Auch die Bezirksverordnetenversammlung hatte sich mehrheitlich gegen die Neubaupläne ausgesprochen. „Der Druck aus der Bevölkerung war enorm“, so der Bezirkssprecher. „Wir haben die Signale ernst genommen und die Planung überdacht.“
Nun prüft der Bezirk alternative Standorte für die geplanten Wohnungen und die Grundschule. „Wir werden die Wohnungsbauziele nicht aus den Augen verlieren, aber an einem anderen Ort umsetzen“, betonte der Sprecher.
Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt
Der Verzicht auf die 600 Wohnungen könnte den angespannten Berliner Wohnungsmarkt weiter belasten. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum ist hoch, insbesondere in Pankow. Allerdings hofft der Bezirk, dass die Alternativstandorte schneller realisiert werden können. „Wir wollen keine Zeit verlieren“, so der Sprecher.
Die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Friedhofs soll in den kommenden Wochen fallen. Bis dahin bleibt der Friedhof für die Öffentlichkeit zugänglich.



