Potsdams Hitzeschutz: Entsiegelung im Schneckentempo trotz Rekordhitze
Potsdams Hitzeschutz: Entsiegelung im Schneckentempo

Es war ein Temperaturrekord: Ende Juni wurden in Potsdam erstmals 40 Grad gemessen. Hitze macht der Stadt in den vergangenen Jahren zunehmend zu schaffen, dennoch kommt der Hitzeschutz in Potsdam nur langsam voran. Die Stadt meldet einige kleinteilige Entsiegelungen sowie die Aufstellung von zwei neuen Trinkwasserbrunnen. Bäume wurden auch neu gepflanzt – aber weit weniger, als gefällt wurden.

Kleinteilige Maßnahmen statt großer Würfe

Laut dem städtischen Hitzeaktionsplan, der im vergangenen Jahr verabschiedet wurde, sind umfangreiche Entsiegelungen und Begrünungen vorgesehen. Doch die Umsetzung erfolgt im Schneckentempo. Nach Angaben der Stadtverwaltung wurden in diesem Jahr bisher nur kleine Flächen entsiegelt, etwa in der Innenstadt und in Wohngebieten. „Wir arbeiten uns Schritt für Schritt voran“, sagte ein Sprecher der Stadt. „Große Projekte benötigen längere Planungs- und Genehmigungsverfahren.“

Weniger Bäume: Nachpflanzungen decken Verluste nicht

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den städtischen Bäumen. Im Jahr 2023 wurden in Potsdam rund 800 Bäume gefällt, hauptsächlich wegen Krankheiten, Schädlingsbefall oder altersbedingter Standunsicherheit. Demgegenüber stehen nur etwa 300 Neupflanzungen. Das bedeutet ein Minus von 500 Bäumen. „Jeder Baum ist wichtig für das Stadtklima“, betont die Umweltaktivistin Clara Herrmann von der Initiative „Potsdam begrünen“. „Wir fordern ein Nachpflanzungsprogramm, das mindestens die Verluste ausgleicht, besser noch überkompensiert.“

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Zwei neue Trinkwasserbrunnen in Betrieb

Immerhin gibt es positive Nachrichten: Die Stadt hat zwei neue Trinkwasserbrunnen aufgestellt, einen am Bassinplatz und einen auf dem Alten Markt. Damit stehen in Potsdam nun insgesamt zehn öffentliche Trinkwasserbrunnen. „Gerade an heißen Tagen sind diese Brunnen eine wichtige Erfrischung für die Bevölkerung“, so die Stadtverwaltung. Weitere Standorte sind in Planung, darunter in den Stadtteilen Babelsberg und Schlaatz.

Entsiegelung von Schulhöfen und Plätzen

Zwei stark versiegelte Bereiche sollen in den kommenden Monaten neue Grünflächen erhalten. Die Stadt plant die Entsiegelung von Teilen des Schulhofs der Grundschule am Priesterweg sowie des Platzes vor dem Hauptbahnhof. Dort sollen Rasenflächen, Sträucher und Bäume gepflanzt werden. Die Kosten für diese Maßnahmen belaufen sich auf rund 500.000 Euro, finanziert aus dem städtischen Klimafonds.

Kritik an Langsamkeit der Verwaltung

Die Oppositionsfraktion im Potsdamer Stadtrat kritisiert die schleppende Umsetzung des Hitzeaktionsplans. „Die Stadtverwaltung muss dringend mehr Tempo machen“, erklärte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Tobias Meier. „Wir haben einen Beschluss, aber es passiert viel zu wenig. Die Bürgerinnen und Bürger spüren die Hitze, und wir müssen handeln.“ Die Stadtverwaltung verweist auf Personalmangel und die Komplexität der Maßnahmen.

Bäume als Schlüssel für besseres Stadtklima

Fachleute betonen die Bedeutung von Bäumen für die Kühlung der Stadt. Ein ausgewachsener Laubbaum kann an einem heißen Tag bis zu 400 Liter Wasser verdunsten und so die Umgebungstemperatur um mehrere Grad senken. „Jeder neu gepflanzte Baum ist eine Investition in die Zukunft“, sagt Landschaftsarchitektin Dr. Susanne Berger. „Potsdam muss dringend eine Baumschutzsatzung verschärfen und Neupflanzungen zur Pflicht machen.“

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