Die Konzentration von Feinstaub aus der Sahara ist über weiten Teilen Europas in den vergangenen Jahren gestiegen. Betroffen von der Entwicklung ist einer Studie zufolge vor allem Südeuropa – und dort insbesondere Italien, die Adriaregion und die Ägäis. Als Ursache vermutet ein internationales Forschungsteam im Fachjournal „Nature“ die Ausbreitung von Wüsten vor allem in Nordafrika sowie veränderte Luftströmungen.
Zunahme der Feinstaubbelastung in Südeuropa
Die Forscher analysierten Satellitendaten und Bodenmessungen aus den Jahren 2003 bis 2022. Demnach stieg die Feinstaubkonzentration (PM10) in Südeuropa um durchschnittlich 1,5 Mikrogramm pro Kubikmeter pro Jahrzehnt. In einigen Regionen wie der Po-Ebene in Italien war der Anstieg mit bis zu 3,5 Mikrogramm pro Kubikmeter pro Jahrzehnt noch deutlicher. Die Autoren der Studie betonen, dass dieser Trend nicht nur lokale Quellen wie Verkehr oder Industrie betrifft, sondern maßgeblich durch natürliche Quellen wie Saharastaub beeinflusst wird.
Gesundheitliche Folgen für gefährdete Gruppen
Die erhöhte Feinstaubbelastung hat direkte Auswirkungen auf die Gesundheit. Laut der Studie steigt das Risiko für Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Probleme, insbesondere bei Kindern, älteren Menschen und Personen mit Vorerkrankungen. „Die gesundheitlichen Folgen von Saharastaub werden oft unterschätzt, da er natürlichen Ursprungs ist“, erklärt Dr. Maria López, eine der Hauptautorinnen der Studie. „Doch die Partikel können tief in die Lunge eindringen und Entzündungen auslösen.“ Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Feinstaub generell als krebserregend ein.
Ursachen: Wüstenausbreitung und veränderte Winde
Als Hauptgründe für den Anstieg des Saharastaubs in Europa nennen die Forscher die fortschreitende Desertifikation in Nordafrika und eine Verschiebung der atmosphärischen Zirkulation. „Durch den Klimawandel werden die Trockenperioden in der Sahara länger und intensiver, was mehr Staub aufwirbelt“, sagt Co-Autor Prof. Hans Müller von der Universität Leipzig. Gleichzeitig hätten sich die Windmuster so verändert, dass mehr Staub aus der Sahara nach Europa transportiert werde. Die Studie zeigt, dass die Zahl der Tage mit Saharastaub in Südeuropa zwischen 2003 und 2022 um rund 30 Prozent zugenommen hat.
Auswirkungen auf Luftqualität und Klima
Der Saharastaub beeinflusst nicht nur die Luftqualität, sondern auch das Klima. Die Partikel können Sonnenlicht reflektieren oder absorbieren, was zu einer Abkühlung oder Erwärmung der Atmosphäre führen kann. Zudem dienen sie als Kondensationskerne für Wolken, was Niederschlagsmuster verändert. Die Forscher warnen, dass eine weitere Zunahme des Staubtransports die Luftqualität in Europa zusätzlich verschlechtern könnte. „Es ist wichtig, dass wir diese natürliche Quelle der Luftverschmutzung in Zukunft stärker berücksichtigen“, betont Dr. López.



