Drohnenstaffeln der Bergwacht Sebnitz und des Technischen Hilfswerks Dippoldiswalde überfliegen seit den frühen Morgenstunden das Unwettergebiet nahe der Felsenbühne Rathen. Die Luftaufnahmen sollen den Einsatzkräften ein genaues Bild von den Schäden liefern, die ein massiver Windbruch in den Wäldern der Sächsischen Schweiz verursacht hat. Parallel dazu sichern Bodenmannschaften den Unglücksort ab, der für die Öffentlichkeit vollständig gesperrt ist.
Windbruch an der Bastei: Eine Naturgewalt mit fatalen Folgen
Wie die Leitstelle Dresden mitteilte, hatte ein massiver Windbruch unweit der bekannten Felsformation Bastei zahlreiche Bäume umstürzen lassen. Das Unglück ereignete sich oberhalb der Felsenbühne Rathen, einer der ältesten und bekanntesten Naturbühnen Deutschlands. Die Wucht der umstürzenden Bäume war so groß, dass ein 28 Jahre alter Mann getötet wurde. Die Bäume stürzten über eine weite Fläche und rissen dabei weitere Vegetation mit in die Tiefe.
Die genaue Schadenshöhe ist noch nicht absehbar. Die Drohnenbilder sollen den Experten von Bergwacht und Technischem Hilfswerk dabei helfen, die Gefahrenstellen zu kartieren und die weiteren Maßnahmen zu koordinieren. Auch die Polizei ist vor Ort, um die Spuren des Geschehens zu sichern. Die Ermittlungen zur Unglücksursache dauern an.
Sperrzone im Nationalpark: Lebensgefahr durch Sturmschäden
Der Staatsbetrieb Sachsenforst hat aus Sicherheitsgründen Teile des Nationalparks Sächsische Schweiz gesperrt. Konkret dürfen die Gebiete zwischen der Bastei, Rathen, Hohnstein und dem Polenztal bis auf Weiteres nicht betreten werden. Wie ein Sprecher des Forstbetriebs mitteilte, besteht dort akute Lebensgefahr infolge von Sturmschäden. Umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste und lockere Felsbrocken könnten jederzeit nachrutschen.
Besucher, die bereits Touren geplant haben, werden dringend gebeten, die Absperrungen zu respektieren und auf ausgewiesene Alternativrouten auszuweichen. Die Nationalparkverwaltung weist darauf hin, dass die Gefahr auch abseits der Wege bestehe. Wanderer sollten sich vorab über die aktuellen Sperrungen informieren. Wann die Gebiete wieder freigegeben werden können, ist offen. Fachleute müssen zunächst die Standsicherheit der Bäume entlang der Wanderwege überprüfen.
Als Windbruch bezeichnen Förster das Umknicken oder Abbrechen von Bäumen durch starke Windböen. In den Mittelgebirgen Sachsens ist dieses Phänomen keine Seltenheit, kann jedoch in den urwüchsigen Wäldern des Nationalparks besonders verheerende Auswirkungen haben. Die Wurzeln bleiben oft im Boden, während die Kronen abreißen und unkontrolliert umhergeschleudert werden.
Rettungs- und Bergungsarbeiten laufen auf Hochtouren
Die Rettungsarbeiten gestalteten sich schwierig, da das Unglücksgelände nur schwer zugänglich ist. Wie von den Rettungskräften zu erfahren war, sind Drohnenstaffeln der Bergwacht in Sebnitz und des Technischen Hilfswerks in Dippoldiswalde im Einsatz. Sie dokumentieren die Lage aus der Luft, um gezielt vorgehen zu können. Am Boden sind zahlreiche Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst damit beschäftigt, Verletzte zu versorgen und Spuren zu sichern.
Bei dem Unwetter kam ein 28 Jahre alter Mann ums Leben. Zehn Menschen wurden ambulant versorgt, 40 Personen evakuiert. Über die Schwere eventueller Verletzungen lagen zunächst keine Angaben vor.
Die Sächsische Schweiz: Ein Naturparadies mit Risiken
Die Sächsische Schweiz ist eines der beliebtesten Wandergebiete Deutschlands. Der Nationalpark, der 1990 gegründet wurde, erstreckt sich über eine Fläche von rund 93 Quadratkilometern und beeindruckt mit bizarren Sandsteinfelsen, tiefen Schluchten und weiten Aussichten. Die Bastei mit ihrer berühmten Brücke ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Region und zieht täglich hunderte Besucher an.
Die Felsenbühne Rathen liegt eingebettet in die Felslandschaft direkt an der Elbe. Jedes Jahr verfolgen zehntausende Zuschauer die Freilichtaufführungen. Die unmittelbare Nähe zur Natur macht den Ort allerdings auch anfällig für Wetterkapriolen. Schwere Stürme können in den Sandsteinwäldern schnell zu Windbruch führen – so wie in diesem Fall. Forstexperten weisen zudem darauf hin, dass solche Ereignisse durch den Klimawandel häufiger auftreten könnten.
Tourismus und Anwohner betroffen
Die Sperrung des Nationalparks hat unmittelbare Auswirkungen auf Tourismus und lokale Wirtschaft. Viele Wanderer und Kletterer, die die Sommerferien in der Region verbringen wollen, müssen ihre Pläne ändern. Hotels und Pensionen in Rathen, Hohnstein und im Polenztal rechnen mit Stornierungen. Auch für Anwohner gelten Einschränkungen, da einige Wege und Straßen gesperrt sind. Ob die für den Sommer geplanten Aufführungen der Felsenbühne stattfinden können, ist ebenfalls unklar.
Der Staatsbetrieb Sachsenforst kündigte an, die Aufräumarbeiten so schnell wie möglich voranzutreiben. Zunächst müssten die Drohnenbilder ausgewertet werden, um Prioritäten zu setzen. Erst danach könne man absehen, wie lange die Sperrung noch andauern wird. Bis dahin gilt für alle: Der Zutritt zu den gesperrten Waldgebieten ist strikt verboten – es besteht Lebensgefahr.



