Wespen-Schwund in Großbritannien: Gibt es auch bei uns weniger Wespen?
Wespen-Schwund: Gibt es auch bei uns weniger Wespen?

In Großbritannien sind in diesem Sommer kaum noch Wespen zu sehen. Wissenschaftler und Schädlingsbekämpfer melden einen historischen Rückgang. Auch in Deutschland mehren sich Anzeichen für ein schwaches Wespenjahr. Verantwortlich dafür ist das wechselhafte Wetter im Frühjahr, das vielen Königinnen die Nestgründung unmöglich machte.

Wespen in Großbritannien: Ein ruhiges Jahr

Prof. Seirian Sumner, Verhaltensökologin am University College London, beobachtet den drastischen Rückgang mit Sorge. Gegenüber der „Daily Mail“ berichtete sie, dass selbst professionelle Schädlingsbekämpfer außergewöhnlich wenige Aufträge zur Entfernung von Wespennestern erhalten. „Es ist ein ruhiges Jahr“, sagte die Forscherin. Ihre Erklärung: Wespenköniginnen gründen im Frühjahr alleine ihre Nester. Überleben sie die ersten Wochen nicht, gibt es keine Völker.

Extreme Hitze, Trockenheit, aber auch Kälte und Nässe können fatale Folgen haben. In Großbritannien waren die Bedingungen in den entscheidenden Monaten alles andere als stabil. Das Wetterchaos hat offenbar viele Königinnen getötet oder an der Nestgründung gehindert. Besonders der Mai gilt als kritische Phase.

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Eine Wespenkönigin ist das einzige Tier eines Volkes, das den Winter überlebt. Im Frühjahr schafft sie sich allein einen neuen Staat, legt die ersten Eier und versorgt die Larven, bis die ersten Arbeiterinnen schlüpfen. Diese Phase ist extrem riskant: Schlechtes Wetter, Hunger oder Fressfeinde können das ganze Vorhaben scheitern lassen.

Deutschland: Der Mai war zu kalt und feucht

Auch hierzulande gibt es Hinweise auf einen Wespen-Rückgang. Rainer Hanke, Wespenexperte des NABU Thüringen, sagte der dpa: „2026 wird voraussichtlich kein besonders starkes Wespenjahr, weil der Mai für die Gründung der Wespenvölker zu kalt und feucht war.“ Diese Einschätzung teilt der NABU für viele Regionen. Eine bundesweite Zählung existiert nicht, aber die Meldungen aus den Landesverbänden zeichnen ein klares Bild: Es sind deutlich weniger Wespen unterwegs als im Vorjahr.

Für Picknick-Fans und Grillfreunde ist das eine angenehme Nachricht: Kein lästiges Summen um Kuchen, Marmelade und Limonade. Doch aus ökologischer Perspektive ist die Wespenpause keine gute Entwicklung.

Wespen sind unverzichtbare Nützlinge

Wespen sind weit mehr als lästige Begleiter an der Kaffeetafel. Sie fressen große Mengen an Fliegen, Blattläusen und Raupen und regulieren so die Populationen dieser Insekten. Ohne Wespen könnten sich Schädlinge unkontrolliert vermehren, was vor allem in Gärten und in der Landwirtschaft problematisch wäre. Das ökologische Gleichgewicht geriete ins Wanken.

Zudem dienen Wespen anderen Tieren als Nahrungsquelle. Vögel, Spinnen und sogar einige Säugetiere fressen Wespen oder ihre Larven. Ein Einbruch der Wespenpopulation hätte also Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette. Der NABU betrachtet die Entwicklung daher mit Sorge.

In Deutschland sind viele Wespenarten geschützt oder stehen zumindest unter besonderer Beobachtung. Die Tiere stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen oder ihr Nest verteidigen müssen. In der Regel sind sie friedlich und nützen dem Menschen mehr, als sie schaden.

Wie geht es weiter mit den Wespen?

Das kommende Frühjahr wird entscheidend sein. Bleibt das Wetter mild und ausreichend feucht, aber nicht zu nass, haben die Königinnen wieder gute Chancen. Ob sich die Bestände bereits 2027 erholen, lässt sich laut Experten schwer vorhersagen. Der Klimawandel könnte die Wetterextreme jedoch weiter verstärken, was auch künftige Wespenjahre unsicher machen dürfte.

Für dieses Jahr bleibt die Lage ruhig – einerseits. Andererseits zeigt der Wespen-Schwund, wie empfindlich Insekten auf Wetterveränderungen reagieren. Wer in den kommenden Wochen noch ein Wespennest entdeckt, sollte es in Ruhe lassen und im Zweifel einen Experten kontaktieren.

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