Über drei Millionen Arbeitslose: Nur der Staat schafft noch Jobs
Staat schafft Jobs, Wirtschaft baut ab: 3 Mio. Arbeitslose

Wieder sind in Deutschland mehr als drei Millionen Menschen ohne Arbeit. Laut Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im Juli 3.007.000 Personen arbeitslos. Das ist ein erneuter Anstieg über die Drei-Millionen-Marke, die in den vergangenen Jahren immer wieder überschritten wurde. Auffällig ist: Wer heute eine neue Stelle sucht, findet sie immer häufiger im öffentlichen Sektor.

In der freien Wirtschaft dominiert dagegen der Stellenabbau. Die aktuellen BA-Zahlen machen den Wandel deutlich. Im Gesundheitswesen entstanden 67.000 neue Arbeitsplätze, in Pflege und Sozialbereich 63.000 und in der öffentlichen Verwaltung 22.000. Zusammen kommen die drei Bereiche auf 152.000 zusätzliche Jobs. Gleichzeitig schrumpft die Wirtschaft: Das verarbeitende Gewerbe verlor 170.000 Stellen, die Metall-, Elektro- und Stahlindustrie 123.000, der Handel 49.000 und die Zeitarbeit 27.000.

Staat als Jobmotor, Wirtschaft im Abwärtstrend

Bis 2019 entwickelten sich Staat und Privatwirtschaft noch nahezu parallel. Die Metall- und Elektroindustrie schuf 69.000 neue Stellen, qualifizierte Unternehmensdienstleister – etwa Ingenieurbüros, Steuer- und Rechtsberatung sowie Finanzcontrolling – kamen sogar auf 83.000 zusätzliche Jobs. Doch die Corona-Pandemie wurde zum Wendepunkt: Industrie und Gastgewerbe brachen ein, während der Staat weiter einstellte. Im Jahr 2020 kamen 44.000 neue staatliche Stellen hinzu, 2021 sogar 73.000. Bis Ende 2023 summierten sich die zusätzlichen Arbeitsplätze in Verwaltung, Gesundheit, Erziehung und Sozialwesen auf rund 450.000.

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Im Jahr 2024 hat sich die Schere dann endgültig geöffnet. Die Privatwirtschaft schrumpft, der Staat wächst – und das Jahr für Jahr. Laut BA hat die öffentliche Verwaltung seit 2019 rund 17 Prozent mehr Stellen aufgebaut. In den Bereichen Gesundheit, Pflege, Erziehung und Sozialwesen entstanden von 2019 bis 2026 insgesamt rund 871.000 neue Jobs. Das ist die wohl deutlichste Verschiebung am deutschen Arbeitsmarkt seit Jahrzehnten.

Einstige Hoffnungsträger fallen zurück

Besonders bitter ist die Entwicklung für Branchen, die lange als Motoren des Jobwachstums galten. Die IT-Branche liegt aktuell 21.000 Stellen unter dem Vorjahresniveau. Auch bei den qualifizierten Unternehmensdienstleistern ist der Boom vorbei: Bis 2023 wurden dort pro Jahr mehr als 100.000 neue Jobs geschaffen, zuletzt waren es gerade einmal 2.000. Der einstige Aufschwung hat sich damit in Luft aufgelöst.

Hinzu kommt eine wachsende Schieflage bei den Arbeitszeiten. Seit Anfang 2024 wächst die Beschäftigung in Deutschland ausschließlich über Teilzeitstellen. Im Mai 2026 standen 160.000 neue Teilzeitjobs einem Minus von 230.000 Vollzeitstellen gegenüber. Pflege, Erziehung und öffentliche Verwaltung haben traditionell hohe Teilzeitquoten, während die Industrie vor allem Vollzeitkräfte sucht. Dadurch nimmt nicht nur die Zahl der Arbeitsplätze zu, sondern auch die Teilzeitquote insgesamt.

Ökonom: Der Arbeitsmarkt schwächelt weiter

Deutsche-Bank-Volkswirt Marc Schattenberg sieht keine schnelle Besserung. „Der deutsche Arbeitsmarkt schwächelt weiterhin“, sagte er mit Blick auf die aktuellen Zahlen. Verantwortlich seien nicht allein die schwache Konjunktur, sondern auch strukturelle Probleme in den deutschen Schlüsselindustrien. Diese bremsten jede allgemeine Belebung des Arbeitsmarkts. Gleichzeitig bauten öffentliche Verwaltung, Pflege und Gesundheitswesen beinahe im gleichen Tempo neue Stellen auf. Für den Herbst hofft der Ökonom auf etwas mehr Schwung, rechnet aber nicht mit einer grundlegenden Wende.

Sieben Jahre nach dem Paradigmenwechsel

Die Bilanz nach sieben Jahren ist eindeutig: Während die Industrie Stellen streicht, hält vor allem der staatsnahe Bereich den deutschen Arbeitsmarkt über Wasser. Für Arbeitnehmer bedeutet das: Ohne den Staat wären die Arbeitslosenzahlen noch deutlich höher. Die Frage bleibt, wie lange dieser Ausgleich trägt – denn auch der Staat kann nicht unbegrenzt einstellen.

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