Siemens Healthineers: Gewinnprognose dank Zoll-Rückerstattung erhöht
Siemens Healthineers hebt Gewinnprognose an

Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers hat seine Jahresprognose für das am 30. September endende Geschäftsjahr 2025/26 gesenkt: Beim vergleichbaren Umsatzwachstum rechnet das Management nur noch mit 3,5 bis 4,0 Prozent. Der Hauptgrund ist der tiefgreifende Umbau des chinesischen Gesundheitssystems, der insbesondere die Labordiagnostik belastet. Zugleich profitiert der Konzern von der Rückerstattung unrechtmäßig erhobener US-Importzölle: Der Gewinn je Aktie soll 2025/26 mit 2,35 bis 2,45 Euro um 15 Cent höher ausfallen als zuletzt in Aussicht gestellt. Das teilte die Siemens-Tochter am Freitag in Erlangen mit.

Im dritten Quartal des Geschäftsjahres (bis Ende Juni) wuchs der vergleichbare Umsatz nur um 2,8 Prozent auf 5,76 Milliarden Euro. Damit blieb Siemens Healthineers hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Der Auftragseingang dagegen übertraf den Umsatz um satte 27 Prozent. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte wegen der Zoll-Rückerstattungen um 16 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro – die Experten hatten hier sogar mit einem Rückgang gerechnet.

Geschäftsführer Bernd Montag sprach von einer „großartigen Auftragsdynamik. Unser synergetischer Kern zeigt sich sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis robust.“

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China-Reform trifft vor allem die Diagnostiksparte

Besonders stark spürt die vor der Abspaltung stehende Sparte Diagnostics die Auswirkungen der chinesischen Reformen. Die staatlichen Maßnahmen zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen haben die Nachfrage nach Laborstraßen und Diagnostikplattformen deutlich abkühlen lassen. Siemens Healthineers hatte die Grundlage dieser Sparte vor vielen Jahren teuer zusammengekauft und mit der eigenen Plattform Atellica ausgestattet. Eine Erfolgsgeschichte wurde daraus bislang nicht: Während die Bildgebung floriert und sich auch die US-Krebsbehandlungstochter Varian gut entwickelt, bleiben Margen und Wachstum in der Diagnostik meist hinter den anderen Geschäften zurück. Zudem gibt es wenig Synergien mit den Kernbereichen.

Die Rückerstattung von US-Einfuhrzöllen wirkt sich dagegen gleich mehrfach positiv aus. Im dritten Quartal hob sie das bereinigte Ebit um 16 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr ergibt sich daraus ein um 15 Cent höherer Gewinn je Aktie. Ohne diesen Sondereffekt wäre das Ergebnis deutlich schwächer ausgefallen.

Konzernumbau: Siemens verteilt 30 Prozent der Anteile

Der Mutterkonzern Siemens treibt derweil die Abspaltung seiner Mehrheit an Siemens Healthineers voran. Dazu sollen 30 Prozent der Healthineers-Aktien an die eigenen Aktionäre von Siemens übertragen werden. Die Siemens-Hauptversammlung soll voraussichtlich Anfang 2027 über die Maßnahme abstimmen. Parallel bereitet Siemens Healthineers selbst die Ausgliederung der Diagnostiksparte vor – als Verkauf oder Börsengang. Ein konkreter Zeitplan steht noch nicht fest, der Konzern spricht von intensiven Vorbereitungen.

Der Schritt ist Teil einer strategischen Neuausrichtung: Der Konzern will sich stärker auf wachstumsstarke Bereiche wie Bildgebung und Krebsbehandlung mit der Tochter Varian konzentrieren. Die Diagnostik mit ihrer vergleichsweise schwachen Marge und geringen Synergien soll dagegen in die Eigenständigkeit entlassen werden.

Wettbewerber: Philips und GE Healthcare wachsen trotz Gegenwind

Die Konkurrenz hat ebenfalls mit einem schwierigen Umfeld zu kämpfen, kann aber zulegen. Philips steigerte den Umsatz im vergangenen Quartal auf vergleichbarer Basis um vier Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebita) verbesserte sich deutlich von 400 auf 609 Millionen Euro – allerdings maßgeblich dank einer Zollrückzahlung in den USA. Bereinigt um diesen Sondereffekt wäre das operative Ergebnis leicht gesunken. CEO Roy Jakobs verwies auf gestiegene Einkaufspreise, die das laufende Produktivitätsprogramm abfedern soll.

Auch GE Healthcare legte zu: Im zweiten Quartal stieg der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 3,5 Prozent auf 5,3 Milliarden Dollar. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich von 729 auf 750 Millionen Dollar. Die Branche bleibt damit in Bewegung, auch wenn der politische und regulatorische Druck auf die Anbieter von Medizintechnik zunimmt.

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Für Siemens Healthineers kommt es nun darauf an, die Abspaltung der Diagnostik erfolgreich umzusetzen und in China wieder Fuß zu fassen. Die erhöhte Gewinnprognose verschafft dem Konzern dabei etwas Luft. Analysten reagierten überrascht auf die Ergebniskraft, betonten aber, dass das Umsatzwachstum auf absehbare Zeit gedämpft bleiben dürfte.