Seit Mittwoch ist die vielbefahrene A565-Rheinbrücke in Bonn für Autofahrer gesperrt. Die Auswirkungen auf den Verkehr in der Region sind massiv. Die Autobahn GmbH rechnet innerhalb der nächsten beiden Wochen mit Ergebnissen, wie es mit dem maroden Bauwerk weitergeht.
Schadensbild und weitere Schritte
„Wir erhoffen uns, in den nächsten zwei Wochen ein umfassendes Schadens- und Lagebild zu haben, um daraus ableiten zu können, was mit dem Bauwerk passiert“, sagte Dirk Brandenburger, technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH, der Deutschen Presse-Agentur. Bei der Brücke wurden Risse im Beton und Korrosionsschäden im Betonstahl festgestellt.
Technische Prüfungen und Gutachten
Die Autobahn GmbH prüft technische Möglichkeiten, die marode Brücke aus den 1960er Jahren wieder für den Verkehr freizugeben. „Am Ende geht es darum, ob die Brücke gehalten werden kann oder das Bauwerk gesperrt bleiben muss“, so Brandenburger. Mehrere Gutachter sind einbezogen. Eine abschließende Bewertung gibt es erst nach Abschluss der Untersuchungen und statischen Berechnungen.
Auswirkungen auf den Verkehr
Die Sperrung hat erhebliche Auswirkungen auf den Verkehr in der Region. „Die Sicherheit der Menschen, die täglich über diese Brücke fahren, ist nicht verhandelbar“, betont die Autobahn GmbH. In Abstimmung mit den Behörden wurden Ausweichrouten vorbereitet. Der ADAC spricht von einer „Vollkatastrophe für die Region“. Laut einer Modellstudie müssten Autofahrer jährlich Umwege von insgesamt 50 Millionen Kilometern in Kauf nehmen, Lkw von 5,5 Millionen Kilometern. Viele Autofahrer würden in den Kölner Raum ausweichen und dort das ohnehin belastete Verkehrssystem zusätzlich belasten. Der volkswirtschaftliche Schaden wird auf mehr als 170 Millionen Euro geschätzt.
Reaktionen aus Politik und Wirtschaft
Der Bonner Oberbürgermeister Guido Déus (CDU) berief einen Krisenstab ein – eine Task Force „Nordbrücke“. Die Autobahn GmbH versicherte, dass die Brücke ab sofort „Priorität Nummer eins in NRW“ sei. Die IHK Bonn/Rhein-Sieg sprach von einer Katastrophenmeldung. IHK-Präsident Stefan Hagen forderte: „Die Rheinbrücken sind die Lebensadern unserer Region. Die Nordbrücke muss spätestens jetzt Chefsache des Verkehrsministers werden.“ Auch Thomas Rademacher, Präsident der Handwerkskammer zu Köln, betonte: „Die Rheinbrücken bilden das Rückgrat unserer Region – ohne sie steht der Verkehr still und der wirtschaftliche Schaden wird immens sein.“ NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sagte: „Die Sperrung der Bonner Nordbrücke durch die Autobahn GmbH ist eine für die Region einschneidende Maßnahme. Aber die Sicherheit geht immer vor, bis das Ergebnis der Untersuchungen vorliegt.“ Er sicherte Unterstützung zu, um die Folgen abzumildern.
Betroffene Abschnitte und Umleitungen
Die Sperrung betrifft nicht nur die Brücke selbst, sondern auch weitere Abschnitte der A565 zwischen dem Autobahnkreuz Bonn-Nord und dem Autobahndreieck Bonn-Nordost. In Fahrtrichtung Koblenz sind keine Überfahrten mehr von der A59 aus Köln und Königswinter auf die A565 möglich. In Fahrtrichtung Siegburg sind im Kreuz Bonn-Nord sämtliche Verbindungen auf die A565 nach Siegburg gesperrt. Weiträumige Umfahrungen führen über die A3 oder die A61.
Hintergrund: Schäden und Neubaupläne
Bereits seit Februar gilt auf der Brücke ein Fahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen. Damals fuhren täglich rund 100.000 Fahrzeuge über den Rhein, davon gut fünf Prozent Schwerlastverkehr. Bei Überprüfungen waren zahlreiche Schäden und statische Probleme aufgefallen. Der geplante Neubau soll frühestens in den 2030er Jahren beginnen. Laut ADAC ist fast ein Drittel der rund 6.200 Autobahnbrücken in NRW sanierungsbedürftig.



