Ab Dezember 2026 sollen die Regionalexpress-Verbindungen von Berlin zur Ostsee deutlich verbessert werden. Die Deutsche Bahn plant, den RE3 zwischen Stralsund und Wittenberg im Stundentakt fahren zu lassen. Dafür sind zwölf neue Doppelstockzüge des Typs KISS vorgesehen, die von Stadler gebaut werden. Doch deren Auslieferung verzögert sich um ein Jahr – voraussichtlich bis Ende 2027.
Ursache der Verzögerung: Überflutung beim Zulieferer
Josef Köcher, CEO von Stadler Deutschland, erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, dass die Verzögerung auf eine Überflutung in der Produktionsstätte eines Zulieferers zurückzuführen sei. „Dort wurden wichtige Komponenten für die Züge hergestellt, und der Schaden war erheblich“, so Köcher. Die genauen Auswirkungen auf den Zeitplan seien erst nach einer gründlichen Analyse absehbar gewesen. Stadler arbeite nun mit Hochdruck daran, die Lieferung so schnell wie möglich nachzuholen.
Übergangslösung mit älteren Fahrzeugen
Bis die neuen KISS-Züge einsatzbereit sind, wird die Deutsche Bahn auf ältere Fahrzeuge der Baureihe 445 zurückgreifen. Diese Züge werden derzeit noch in den Werkstätten überholt und modernisiert. In den roten Doppelstockwagen wird aktuell an Sicherungskästen gearbeitet, und die Sitze im Erste-Klasse-Abteil sind noch verhüllt. Dennoch sollen sie ab Dezember den Stundentakt auf dem RE3 ermöglichen. Die Fahrgäste können dann von Berlin aus im Stundentakt nach Stralsund reisen – allerdings zunächst mit älteren Zügen, die weniger Sitzplätze bieten als die geplanten KISS-Fahrzeuge.
Mehr Sitzplätze und Komfort ab 2027
Die neuen KISS-Züge sollen nicht nur pünktlicher kommen, sondern auch deutlich mehr Komfort bieten. Sie verfügen über mehr Sitzplätze, moderne Klimaanlagen und bessere Barrierefreiheit. Der RE3 ist eine der wichtigsten Regionalexpresslinien in Norddeutschland und verbindet die Ostseeküste mit dem Berliner Umland sowie Sachsen-Anhalt. Täglich nutzen tausende Pendler und Touristen die Strecke. Die verbesserte Taktung und die neuen Züge sollen die Attraktivität der Bahn auf dieser Strecke steigern.
Stadler kämpft mit Lieferkettenproblemen
Die Verzögerung bei den KISS-Zügen ist kein Einzelfall. Stadler, wie viele andere Schienenfahrzeughersteller, leidet unter gestörten Lieferketten und Materialengpässen. Die Überflutung beim Zulieferer hat die Situation zusätzlich verschärft. Köcher betonte jedoch, dass Stadler alles daran setze, die Züge termingerecht auszuliefern. „Wir haben die Produktion umgestellt und arbeiten mit alternativen Zulieferern, um die Verzögerung so gering wie möglich zu halten“, sagte er.
Fahrgäste müssen sich auf Einschränkungen einstellen
Bis zur Inbetriebnahme der neuen Züge müssen Fahrgäste auf dem RE3 mit gewissen Einschränkungen rechnen. Die älteren Fahrzeuge haben weniger Sitzplätze, was insbesondere in der Hauptreisezeit zu Engpässen führen könnte. Die Deutsche Bahn empfiehlt, frühzeitig zu buchen und alternative Verbindungen zu prüfen. Ab Dezember 2027 sollen dann die neuen KISS-Züge den Komfort und die Kapazität auf der Strecke deutlich verbessern.



