Berliner Ringbahnbrücke: Erster Stahlträger eingehoben – S41 und S42 gesperrt
Ringbahnbrücke: Erster Träger eingehoben – S41/S42 gesperrt

Am Freitagnachmittag hat das Einheben der neuen Brückenteile für die A100 begonnen. Gegen 12 Uhr wurde die S-Bahn zwischen Halensee und Westend eingestellt. Die Bauarbeiter haben bis Montagfrüh Zeit. Die teilweise mehr als 300 Tonnen schweren Stahlteile liegen bereit. Der gigantische Kran ist aufgebaut, 60 Meter ist er hoch. Um 14.45 Uhr war der erste von sechs Stahlträgern eingehoben. Bis Montagfrüh sollen alle vormontierten Überbauteile eingehoben sein.

Hintergrund der Sperrung

Seit mehr als einem Jahr ist die Stadtautobahn A100 an dieser Stelle unterbrochen, weil die alte Brücke wegen Einsturzgefahr abgerissen werden musste. Da die Brücke über die Gleise der Ringbahn führt, gibt es erhebliche Einschränkungen für Fahrgäste der S-Bahn. Am Freitag wurde gegen 12 Uhr die S-Bahn eingestellt. Die Linien S41 und S42 fahren bis Montagfrüh, 1.30 Uhr, nicht zwischen Halensee und Westend. Da die Fahrt mit den Ersatzbussen deutlich länger dauert, sollten Fahrgäste die Lücke besser mit der U-Bahn umfahren. Auf dem restlichen Ring entfällt am Freitag der Fünf-Minuten-Takt.

Auswirkungen auf Veranstaltungen

Schwierig wird es vor allem Sonnabend: Im Olympiastadion spielen die Toten Hosen und in der Waldbühne die Pet Shop Boys. Da Besucher am Westkreuz nicht in die S-Bahn nach Spandau umsteigen können, sollten sie auf jeden Fall den gesperrten Abschnitt mit der BVG umfahren oder mit der U2 zum Olympiastadion anreisen. Erwartet werden 80.000 Menschen. Die Sperrung muss schon in Halensee beginnen, da in Westkreuz Weichen fehlen.

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Politischer Besuch und Livestream

Die Autobahn GmbH spricht von einem „entscheidenden Zwischenschritt“ bei dem Projekt. Am Nachmittag wollen sich Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde und der Geschäftsführer der Autobahn GmbH des Bundes, Michael Güntner, auf der Baustelle informieren. Dies teilte die für den Bau zuständige Projektgesellschaft Deges mit. Deges-Chef Andreas Irngartinger wird die Arbeiten erläutern. Ursprünglich angekündigt war auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner. Nach Tagesspiegel-Informationen hat Wegner den Termin jedoch kurzfristig abgesagt. Zuschauen kann jeder: Die Deges bietet während der Bauarbeiten einen Livestream im Internet an. Dort ist gut der riesige Kran zu erkennen, der in den vergangenen Tagen aufgebaut wurde. Gegen 13 Uhr hatte der Kran bereits einen der sechs Teile am Haken. Nach diesem Wochenende werden sie verschweißt, anschließend wird die Fahrbahn darauf gelegt.

Zahlen und Fakten zur Brücke

Die Brücke wurde am 19. März 2025 wegen Baufälligkeit komplett gesperrt. Seitdem werden Lastwagen durch die Stadt geleitet. Für Pkw gibt es eine Behelfsspur auf der Gegenfahrbahn. Täglich gibt es Stau. Mit dem Neubau war im Oktober begonnen worden. Die alte Betonbrücke stammte aus dem Jahr 1963, sie war für 25.000 Fahrzeuge pro Tag ausgelegt. Zuletzt fuhren 90.000 Fahrzeuge, darunter viele schwere Lastwagen, darüber. Bekannt waren die Risse seit 2015. Diese hatten sich im März 2025 plötzlich stark vergrößert. Die ersten Spuren wurden gesperrt, zwei Wochen später kam das Aus: Eine der wichtigsten Brücken der Stadt war gesperrt, es folgten Tage des Chaos auf Charlottenburger Straßen. Parallel dazu wurde auch die Westendbrücke etwas weiter nördlich abgerissen. Diese galt ebenfalls als einsturzgefährdet. Die neuen Brücken sollen im Sommer 2027 fertig sein. Der Neubau der beiden Brücken gilt mittlerweile als beispielhaft dafür, dass in Deutschland auch schnell gebaut werden kann.

Infrastruktur-Zukunftsgesetz

Laut Deges will Bundesverkehrsminister Schnieder am Freitagnachmittag vor Ort auf die Ziele des neuen „Infrastruktur-Zukunftsgesetzes“ eingehen, das derartig wichtige Projekte beschleunigen soll. Das Gesetz stand am Freitag auf der Tagesordnung im Bundesrat.

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