Tunnelbohrer unter Landsberger Allee: Berliner Wasserbetriebe geben Einblick
Tunnelbohrer unter Landsberger Allee: BWB geben Einblick

Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) haben am Sonnabend einen seltenen Einblick in die Bauarbeiten unter der Landsberger Allee in Lichtenberg gewährt. Beim Tag der offenen Baustelle konnten Besucher einen Tunnelbohrer in Aktion erleben, der sich unter der stark befahrenen Kreuzung zum Weißenseer Weg durch den lehmigen Boden frisst. Ziel ist die Erneuerung der Trink- und Abwasserleitungen, die als „Wasserautobahn“ Berlins gelten und elf Prozent des täglichen Trinkwasserbedarfs der Stadt decken.

Projektvolumen: 90 Millionen Euro und zwölf Kilometer Leitungen

Seit 2024 sanieren die BWB die Leitungen entlang der Landsberger Allee. Auf einer Strecke von zwei Kilometern zwischen Vulkanstraße und S-Bahnhof Landsberger Allee werden insgesamt mehr als zwölf Kilometer Rohre ausgetauscht. Die alten Leitungen stammen aus den Jahren 1905 und 1935. Das Großprojekt kostet über 90 Millionen Euro und soll bis Ende 2029 abgeschlossen sein. Die neuen Rohre haben einen Durchmesser von 1,20 Metern und sind für die Versorgung der östlichen Bezirke Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow von zentraler Bedeutung.

Tunnelbohrer ermöglicht Verkehr ohne Unterbrechung

An der Kreuzung zum Weißenseer Weg, wo die Straßenbahn verläuft, setzen die BWB auf eine besondere Technik: einen Tunnelbohrer. „Das ist durchaus eine beeindruckende Technik, die bei uns auch nicht alle Tage zum Einsatz kommt“, erklärte BWB-Sprecher Stephan Natz. Der Bohrer arbeitet sich langsam unter der Kreuzung hindurch, während oben der Verkehr weiterläuft. Ein kleiner Schaufelbagger am Kopf des Bohrers kratzt das Erdreich ab, ein Förderband transportiert es aus der Grube. Anschließend schiebt der Bohrer ein drei Meter langes Rohr in den entstandenen Schacht. Pro Tag schafft der Bohrer etwa sechs Meter, was der Länge von zwei Röhren entspricht. Das langsame Tempo liegt am bindigen Boden, der hauptsächlich aus Lehm besteht.

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Schutzrohre erleichtern spätere Reparaturen

Bei den verlegten Rohren handelt es sich zunächst um Schutzrohre. Die eigentlichen Trinkwasserleitungen werden später in diese Schutzrohre geschoben. „Das hat den Vorteil, dass wir die Leitungen bei einem Schaden schneller reparieren können“, sagte Natz. Der Boden müsse dann nur an einer Stelle aufgegraben werden, und die beschädigte Leitung könne aus dem Schutzrohr gezogen werden. Bei der Verlegung ist Millimeterarbeit gefragt. Per Laser wird die Grube ausgemessen, sodass die Arbeiter den Bohrer genau steuern und die Rohre auf den Millimeter genau in die Grube schieben können.

Tag der offenen Tür: Begeisterung bei Anwohnern und Familien

Am Sonnabend kamen zahlreiche Anwohner und Familien zur Baustelle, um den Bohrer im Einsatz zu sehen. Bei Führungen konnten sie die Technik bestaunen. Ein Stand mit Berliner Trinkwasser durfte nicht fehlen. „Diese Events sind sehr wichtig für uns, um den Leuten zu erklären, was wir hier eigentlich machen“, sagte Projektleiter Manuel Wicht. Zwar gebe es wegen der seit zwei Jahren andauernden Arbeiten auch Beschwerden, vor allem von Autofahrern, die unter der gesperrten Fahrspur Richtung Innenstadt leiden. „Natürlich gibt es da auch mal die ein oder andere Beschwerde“, räumte Wicht ein. „Doch wir versuchen dann zu erklären, welchen großen Nutzen diese Leitungen für die Berliner haben.“ Das Trinkwasser stammt aus dem Wasserwerk Friedrichshagen, wird im Zwischenpumpwerk Lichtenberg gespeichert und fließt dann durch die neuen Leitungen in die Innenstadt.

Ausblick: Nächster Bauabschnitt und Einschränkungen für Straßenbahn

Nach Abschluss der Arbeiten am Weißenseer Weg folgt der Abschnitt bis zum S-Bahnhof. Kritisch wird es an der Ecke Oderbruchstraße, wo die Straßenbahn abbiegt. Dort kommt der Tunnelbohrer nicht mehr zum Einsatz. Ab Mai 2027 wird es deshalb zu Einschränkungen bei der Straßenbahn kommen.

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