Mehr als 50.000 Menschen in Reinickendorf sollen endlich an das U-Bahnnetz angeschlossen werden: Die erste Erkundungsbohrung für die Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel hat stattgefunden. Das Bohrloch am Wilhelmsruher Damm ist fünf Meter tief – es ist das erste von mehreren, mit denen die BVG die geplante Trasse bis zum Senftenberger Ring erkundet.
Bau könnte 2031 beginnen – wenn alles optimal läuft
Läuft alles nach Plan, könnte der Bau der rund drei Kilometer langen Strecke bereits im Jahr 2031 beginnen. Zuvor steht den Verkehrsbetrieben jedoch ein mehrstufiger Planungsprozess bevor, der mit den Erkundungsbohrungen in die zweite Phase startet. „Wir haben hier lange dafür gekämpft und waren immer hinterher“, sagte BVG-Vorstandsvorsitzender Henrik Falk bei einer Pressekonferenz. „Ab jetzt geht es richtig zur Sache.“
Insgesamt 38.000 Anwohner würden durch die Verlängerung an das BVG-Netz angeschlossen, erklärte Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU). Geplant sind Stationen am Märkischen Zentrum, am Dannenwalder Weg, an der Wesendorfer Straße und am Senftenberger Ring. Laut Nahverkehrsplan für 2026 bis 2029 soll das Projekt 560 Millionen Euro kosten.
Kosten und Zeitplan noch unsicher
Zu aktuelleren Kostenschätzungen schwieg sich Dennis Backwinkel, Geschäftsführer der BVG Projekt GmbH, noch aus. Frühestens im Sommer 2027, nach Abschluss der Vorplanung, könne man zu den Kosten eine Aussage treffen. Fest steht bisher, dass die Finanzierung zu drei Vierteln aus dem Bundeshaushalt und zu einem Viertel aus dem Landeshaushalt kommt.
Backwinkel zeigte sich optimistisch, dass der Zeitplan eingehalten werden kann. Die geschlossene Bauweise und ein „partnerschaftliches Verhältnis“ mit der Gesobau, die im Märkischen Viertel an verschiedenen Stellen baut, seien gute Voraussetzungen. Ob die aktuell bevorzugte Trasse tatsächlich umgesetzt wird, entscheidet sich ebenfalls in der Vorplanungsphase.
Politik und Bezirk unterstützen das Projekt
Im Bezirk wird die U8-Verlängerung von den meisten Fraktionen begrüßt. Die CDU nannte die Idee „längst überfällig“, die SPD wies darauf hin, bereits seit Jahrzehnten eine Verlängerung zu fordern. Auch die Linken begrüßten das Projekt, allerdings nur als langfristige Maßnahme, die kurzfristigen Lösungen nicht im Weg stehen sollte.
Kritik gab es im April im Abgeordnetenhaus von den Grünen-Abgeordneten Antje Kapek und Oda Hassepaß. Die Nutzen-Kosten-Rechnung des Senats liege mit 1,07 nur „minimal“ über der Wirtschaftlichkeitsgrenze von 1,0. Die BVG verteidigte die Ergebnisse, die laut Verkehrsbetrieben deutlich über dem Schwellenwert lägen.
Die Grünen bevorzugen stattdessen eine Verlängerung der Tramlinie, die weniger zeit- und kostenintensiv wäre. Dennis Backwinkel räumte ein, dass eine Straßenbahn einfacher zu bauen sei, betonte aber: „Wir haben es hier mit zwei unterschiedlichen Verkehrssystemen zu tun und die U-Bahn ist für das Märkische Viertel einfach besser geeignet.“
Erste Fahrgäste frühestens in den 2040er Jahren
Geht es nach Backwinkel, sollen in den 2040er Jahren die ersten Menschen mit der U8 bis zum Senftenberger Ring fahren. Einen realistischen Zeitplan sowie eine verlässliche Kostenplanung könne man jedoch erst am Ende der Vorplanung vorlegen.



