Mobile Retter starten im Landkreis Lüneburg: Ehrenamtliche Ersthelfer per App alarmiert
Der symbolische Knopfdruck in der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle markiert den offiziellen Start des Systems „Mobile Retter“ im Landkreis Lüneburg. Landrat Jens Böther schaltete die innovative Anwendung am Mittwoch, dem 11. Februar, frei – bewusst gewählt zum Europäischen Tag des Notrufs.
Wie funktioniert das System der Mobilen Retter?
Bei eingehenden Notrufen mit Verdacht auf Herz-Kreislauf-Stillstand oder Bewusstlosigkeit prüft das System automatisch, ob sich qualifizierte Ersthelfer in einem vordefinierten Umkreis befinden. Über eine spezielle App werden diese Freiwilligen dann alarmiert. Nehmen sie den Einsatz an, erhalten sie sofort den genauen Einsatzort, eine detaillierte Wegbeschreibung und wichtige Informationen zur aktuellen Lage direkt auf ihr Smartphone.
Zum Start des Projekts sind bereits 350 ausgebildete und registrierte Freiwillige im System erfasst. Die Projektkoordination liegt bei Palies Pantelmann, die den Start gemeinsam mit Beteiligten des Rettungsdienstes sorgfältig vorbereitet hat.
Wer kann als Mobiler Retter mitmachen?
Teilnehmen können Personen ab 18 Jahren mit verschiedenen Qualifikationen:
- Personen mit rettungsdienstlicher oder medizinischer Ausbildung
- Mitarbeiter aus der Gesundheits- oder Krankenpflege
- Mitglieder von Hilfsorganisationen
- Ausgebildete betriebliche Ersthelfer
Die Registrierung erfolgt über die App, und ein entsprechendes Training ist für alle Teilnehmer vorgesehen. Schätzungen zufolge verfügen etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit oder ehrenamtlichen Engagements über die notwendigen Qualifikationen.
Warum sind Mobile Retter so wichtig?
Die Bedeutung solcher Initiativen wird durch bundesweite Zahlen deutlich: Laut dem Bundesgesundheitsministerium erleiden in Deutschland jährlich etwa 120.000 Menschen außerhalb von Krankenhäusern einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Nur etwa elf Prozent überleben diese lebensbedrohlichen Situationen.
Besonders kritisch ist die Zeit: Ohne Wiederbelebungsmaßnahmen sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um etwa zehn Prozent. Jede Sekunde zählt, und genau hier setzen die Mobilen Retter an.
Erfolgreiche Bilanz bundesweit
Bundesweit sind bereits mehr als 23.600 Mobile Retter in 43 Landkreisen und kreisfreien Städten aktiv. Die Statistik zeigt beeindruckende Ergebnisse: Im Durchschnitt erreichen diese ehrenamtlichen Helfer den Einsatzort bereits 3 Minuten und 26 Sekunden nach der Alarmierung.
In Niedersachsen ist der professionelle Rettungsdienst zwar in 95 Prozent der Notfälle innerhalb von 15 Minuten vor Ort, doch gerade bei Herz-Kreislauf-Stillständen können diese Minuten über Leben und Tod entscheiden. Die Mobilen Retter schließen genau diese kritische Lücke zwischen der Alarmierung und dem Eintreffen des Rettungsdienstes.
Das Ziel ist klar definiert: Die Zeit bis zum Eintreffen des professionellen Rettungsdienstes mit lebensrettender Erster Hilfe zu überbrücken. Durch die schnelle Reaktion der ehrenamtlichen Helfer können lebenswichtige Maßnahmen wie Herzdruckmassage oder Beatmung sofort eingeleitet werden, was die Überlebenschancen der Betroffenen deutlich erhöht.
Das System der Mobilen Retter im Landkreis Lüneburg stellt somit einen wichtigen Schritt in der Notfallversorgung dar und zeigt, wie moderne Technologie und ehrenamtliches Engagement Hand in Hand gehen können, um Menschenleben zu retten.



