Pflegebruder gesteht brutale Messerattacke auf zehnjährige Schwester vor Gericht
Ein erschütternder Prozess hat am Montag vor dem Landgericht Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz begonnen. Der 22-jährige Jason-Anthony B. muss sich wegen versuchten Mordes an seiner damals zehnjährigen Pflegeschwester Lucie* verantworten. Die Anklage wirft dem Angeklagten vor, das Mädchen in der Nacht zum 21. August 2025 mit einem Messer attackiert zu haben, nachdem es sich geweigert hatte, sich für Geld vor ihm auszuziehen.
Tapfere Zeugenaussage der elfjährigen Lucie
Die inzwischen elfjährige Lucie betrat mit einem Pferdeschwanz den Gerichtssaal und schilderte mit bemerkenswerter Tapferkeit die schrecklichen Ereignisse jener Nacht. „Er wollte mir 100 Euro geben“, berichtete das Mädchen in ihrer Zeugenaussage. Als sie sich weigerte, sich zu entkleiden, holte der Angeklagte laut Anklage ein Messer und fügte ihr mehrere Stiche zu.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass B. mit der brutalen Attacke den vorhergehenden versuchten sexuellen Kindesmissbrauch ohne Körperkontakt vertuschen wollte. Lucie erlitt tiefe Wunden im Gesicht und an den Händen, schrie um Hilfe und wurde von ihrer Pflegemutter Sabine gefunden. Die Verletzungen waren schwer, aber nicht lebensgefährlich.
Erschütternde Details und ein volles Geständnis
Besonders bewegend war, wie Lucie fast liebevoll von ihrem Pflegebruder sprach, den sie „Tony“ nennt. Sie erklärte, er habe früher viel mit ihr gespielt und sei nie böse gewesen. In jener Nacht habe er viel Alkohol getrunken, und „da tue man Dinge, die man eigentlich nicht tun darf“. Diese Aussage, mit der sie die Tat zu erklären versuchte, ließ viele Zuhörer im Gerichtssaal mit Tränen in den Augen zurück.
Der Angeklagte legte vor Gericht ein umfassendes Geständnis ab und erklärte: „Das, was ich getan habe, habe ich getan.“ Er berichtete auch von Selbstmordgedanken. Nach der Tat war B. geflüchtet, woraufhin mehr als 200 Polizisten im pfälzischen Dorf Schallodenbach und Umgebung nach ihm suchten. Schließlich stellte er sich in einem Nachbarort und ließ sich widerstandslos festnehmen.
Richter lobt Mut des Mädchens
Richter Raphael Mall, selbst Vater von Töchtern, wandte sich nach Lucies Zeugenaussage direkt an das Mädchen: „Vielen Dank, dass Du da warst. Du bist ein ganz, ganz tolles Mädchen.“ Lucie befindet sich in psychotherapeutischer Behandlung, geht inzwischen in die 5. Klasse und ist nach eigenen Angaben eine gute Schülerin.
Dem Angeklagten droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe bis hin zu lebenslanger Haft. Das Urteil soll in der kommenden Woche gesprochen werden. Der Fall hat nicht nur die regionale Öffentlichkeit in Rheinland-Pfalz erschüttert, sondern wirft auch Fragen zum Schutz von Kindern in Pflegefamilien auf.
*Name zum Schutz des Mädchens geändert



