Die Nachfrage nach Kreuzfahrten steigt weltweit. Allein 2025 verbrachten rund 3,3 Millionen Deutsche ihren Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff. Besonders beliebt sind Nord- und Ostsee mit 44 Prozent der Reisen, gefolgt vom Mittelmeer mit 20 Prozent. Doch ein neues Projekt geht weit über klassische Kreuzfahrten hinaus: das „Freedom Ship“, eine dauerhafte schwimmende Stadt.
Gigantisches Schiff für 80.000 Menschen
Das „Freedom Ship“ soll laut der britischen Zeitung „The Telegraph“ Platz für rund 80.000 Menschen bieten – darunter dauerhafte Bewohner, Tagesgäste und Besatzungsmitglieder. Zum Vergleich: Die „Icon of the Seas“, das derzeit größte Kreuzfahrtschiff, fasst nur etwa 10.000 Personen. Das Freedom Ship übertrifft dies deutlich: Es soll 1,6 Kilometer lang, 244 Meter breit und 30 Decks hoch sein. Geplant sind rund 25.000 Wohneinheiten. Das Schiff würde eine Masse von 2,3 Millionen Tonnen erreichen. Die Kosten werden auf etwa 12 Milliarden Pfund (rund 13,87 Milliarden Euro) geschätzt. Ein offizieller Baustart steht noch nicht fest; das Projekt befindet sich in der Planungs- und Designphase. Erste Bauarbeiten könnten jedoch noch 2026 in Indonesien und Singapur beginnen. Das Unternehmen sucht Investoren und strategische Partner. Angedacht ist ein nuklearer Antrieb, der dauerhaften Aufenthalt auf See ermöglicht, aber auch radioaktiven Müll produziert.
Leben an Bord: Stadt mit Infrastruktur
Das Freedom Ship ist als permanente, mobile Stadt konzipiert. An Bord sollen Wohnungen, Schulen, Spielplätze, ein Wasserpark, ein Stadion mit 15.000 Plätzen, zwei Museen, ein Kongresszentrum und ein Konzertsaal entstehen. Eine zweistöckige Markthalle, Geschäfte, Banken und Restaurants versorgen die Bewohner. Medizinische Einrichtungen wie ein hochmodernes Krankenhaus sind geplant, so Roger Gooch, Geschäftsführer von Freedom Cruise Line International. Freizeitmöglichkeiten umfassen ein Aquarium und einen Nachtclub. Bildungseinrichtungen bieten Unterricht von der Grundschule bis zur Hochschule. Ein internes Transportsystem mit Straßenbahnen und 24 Kilometer Fußwege sichern die Mobilität. Zudem sind Hotels, acht Helikopterlandeplätze und Besucherbereiche vorgesehen.
Globale Mobilität und Vision
Das Freedom Ship soll alle zwei Jahre mit etwa sieben Knoten die Welt umrunden. Aufgrund seiner Größe kann es keinen Hafen anlaufen, sondern wird vor bedeutenden Städten in internationalen Gewässern ankern. Besucher erreichen das Schiff per Fähre. Die Idee einer schwimmenden Stadt ist nicht neu: Bereits in den 1990er-Jahren stellte der Ingenieur Norman Nixon ein ähnliches Konzept vor. Seitdem wurde es mehrfach diskutiert, aber nie umgesetzt. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Kreuzfahrten erlebt die Vision nun neue Aufmerksamkeit. Ob das Milliardenprojekt realisiert wird, hängt von der Finanzierung und Partnerschaften ab.



