Opel Rekord C/Commodore A – seit 60 Jahren respektlose Bestseller
Opel Rekord C/Commodore A – 60 Jahre Bestseller

Rüsselsheim im Sommer 1966: Während die Bundesrepublik in ihrer ersten Rezession seit dem Wirtschaftswunder steckt, präsentiert Opel eine Revolution. Der Rekord C kommt mit einem Design, das bislang nur amerikanische Muscle-Cars kannten: ein Hüftschwung wie eine liegende Cola-Flasche. Die Fachwelt reibt sich die Augen, doch die Kunden reagieren begeistert.

Der neue Mittelklässler ersetzt den kantigen Rekord B und soll Opel aus dem Konjunkturtal führen. Das gelingt eindrucksvoll. Schon im Juli 1966, unmittelbar vor dem Verkaufsstart, entthront Opel Volkswagen als deutschen Marktführer – ein historischer Triumph.

Ein Design, das die Konkurrenz alt aussehen lässt

Das Coke-Bottle-Design, von den Designern Herbert Killmer und Erhard Schnell in der Rüsselsheimer Styling-Abteilung entworfen, verleiht selbst dem schwächsten Rekord mit 58 PS eine sportliche Note. Das Typenportfolio ist riesig: zwei- und viertürige Limousinen, drei- und fünftürige Caravans, ein Hardtop-Coupé, ein exklusives Cabriolet von Karosseriebau Deutsch, eine Taxi-Version mit langem Radstand, ein Lieferwagen und der sportliche Sprint.

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Besonders die Sechszylinder-Modelle machen den Rekord zur Kampfansage an BMW und Mercedes. Ab 1967 ergänzt der Commodore A die Palette als „Sonderklasse“ – mit Chrom, mattschwarzem Kühlergrill und bis zu 150 PS starken Motoren.

Vom Verfolger zum Bestseller

Der Rekord C wird schnell zum erfolgreichsten Auto seiner Klasse. Knapp 4,60 Meter lang, positioniert er sich gegen Audi 72, BMW 1600, Ford 17 M, Peugeot 404 und Volvo Amazon. In Europa entstehen bis 1971 rund 1,27 Millionen Exemplare – mehr als von jedem anderen Opel zuvor. Damit durchbricht der Rekord C als erster Opel die Millionengrenze.

Doch der Erfolg ist nicht nur auf Europa beschränkt. In Brasilien wird der Rekord C als Chevrolet Opala montiert, in Südafrika als Ranger. Dort und in Südamerika verkauft sich das Auto ebenfalls millionenfach. Der Opala bleibt sogar bis 1992 in Produktion – ein langes Leben für ein Derivat.

Commodore: Die „6-Bombe“ mit Kultstatus

Die Werbung für den Commodore GS ist so frech wie erfolgreich: „6-Bombe. 130 PS. Die kennen keinen Respekt.“ Der Commodore, vom Rekord abgeleitet, bietet Sechszylinder-Power und ein Coupé, das wie ein teures deutsche Sportcoupé aussieht – zum Discountpreis. Mit 110 kW/150 PS im GS/E unterbietet er Mercedes S-Klasse und BMW in puncto Preis-Leistung deutlich.

Opel bewirbt den Commodore gar als „Sonderklasse“ und fordert: „Fahren Sie den Dicken davon.“ Rund 152.000 Käufer lassen sich von den Argumenten überzeugen. Tuner wie Steinmetz verpassen dem Commodore breite Kotflügel und knallige Lacke – die „Gelbe Gefahr“ entsteht und wird zur Legende.

Mythen und Misserfolge

Nicht alles gelingt. Die 2,2-Liter-Sechszylinder-Modelle bleiben Flops, auch der Sprint kann nur wenige begeistern. Im Taxigeschäft bleibt Mercedes vorn, obwohl Opel eine eigene Taxi-Version anbietet. Der Rekord Caravan hingegen ist ein Verkaufsschlager und belegt im Kombi-Ranking Platz zwei hinter dem VW Typ 3 Variant.

Im Motorsport sorgt die „Schwarze Witwe“ von 1968 für Furore: ein heimlich aufgebauter 150-PS-Rekord für die Gruppe 5. Weniger bekannt ist, dass der Rekord C auch als Grundlage für exklusive Cabriolets dient – nur etwa 50 Stück entstehen beim Kölner Karosseriebauer Deutsch.

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Chronik einer Erfolgsgeschichte

  1. 1963: Markteinführung des Rekord A; Entwicklungsstart für den Rekord C. Das Design entsteht unter Herbert Killmer und Erhard Schnell.
  2. 1965: Facelift zum Rekord B mit einer neuen Motorengeneration, die später im Rekord C debütiert.
  3. 1966: Präsentation des Rekord C im August; Innovationen wie Schraubenfedern, Scheibenbremsen vorne, Bremskraftverstärker. Ab Dezember gibt es einen 2,2-Liter-Sechszylinder gegen 730 Mark Aufpreis.
  4. 1967: Coupé und Sprint ergänzen das Programm; auf dem Genfer Salon debütiert der Commodore 2500. Das Taxi-Modell mit 20 Zentimeter längerem Radstand kommt im April.
  5. 1968: In Brasilien startet der Chevrolet Opala; der Ranger wird in Südafrika und Europa montiert. Die „Schwarze Witwe“ entsteht auf Rekord-Basis.
  6. 1969: Drei-Gang-Getriebe entfällt, Leistungssteigerung für den Commodore 2.5.
  7. 1970: Premiere des Commodore GS/E mit elektronischer Benzineinspritzung und 150 PS; der Commodore 2800 wird ins Programm aufgenommen.
  8. 1971: Sondermodell Holiday; am 6. September läuft der zehnmillionste Opel vom Band – ein Rekord C.
  9. 1972: Nachfolger Rekord D wird vorgestellt, der Commodore B folgt im Frühjahr.
  10. 1992: In Brasilien endet die Produktion des Opala – das letzte Derivat des Rekord C.
  11. 2020: Der letzte Commodore von Holden in Australien läuft vom Band.
  12. 2026: Opel feiert „60 Jahre Rekord“ mit Ausstellungen und Oldtimerrallyes.

Zahlen und Fakten

Die Produktionszahlen sind beeindruckend: 1.276.681 Rekord C wurden in Europa gebaut, dazu über 156.330 Commodore A. Bei den Motoren dominierte der 1,7-Liter-Vierzylinder mit 541.221 Limousinen und 137.695 Caravans. Die seltenste Variante ist der Rekord 2200 Caravan mit nur 1.435 Stück.

  • Rekord 1500: 61.973 Limousinen, 13.688 Caravans
  • Rekord 1700: 541.221 Limousinen, 137.695 Caravans
  • Rekord 1900: 407.604 Limousinen, 81.713 Caravans
  • Rekord 2200: 10.151 Limousinen, 1.435 Caravans
  • Rekord Lieferwagen: 21.201
  • Commodore 2200: 1.326
  • Commodore 2500: 152.630
  • Commodore 2800: 2.574

Die Motorenpalette reicht vom 1,5-Liter-Vierzylinder mit 58 PS bis zum 2,8-Liter-Sechszylinder des Commodore 2800 mit 145 PS. Der Commodore GS/E erreicht mit 150 PS rund 200 km/h – mehr als mancher Mercedes S-Klasse.

Ein Auto, das Geschichte schrieb

Der Rekord C ist mehr als ein Auto – er ist ein Zeitzeuge. Als am 6. September 1971 der zehnmillionste Opel vom Band läuft, ist es ein Rekord C. Das Jubiläumsfahrzeug wird den Ministerpräsidenten von Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz übergeben. Der hessische Regierungschef Albert Osswald spendet seinen Wagen dem Roten Kreuz, ebenso wie sein rheinland-pfälzischer Kollege Helmut Kohl. Auch der nordrhein-westfälische Staatssekretär Heinz Truschkowski gibt das Fahrzeug der Arbeiterwohlfahrt.

Nach dem Produktionsende im Dezember 1971 übernimmt der Rekord D die Nachfolge. Der Commodore A läuft bis Januar 1972 weiter. In Brasilien wird der Opala noch bis 1992 gebaut. Der Name Commodore lebt sogar bis 2020 in Australien bei Holden weiter. Heute, 60 Jahre nach der Premiere, ist der Mythos lebendig: Opel nutzt den GSe-Zusatz für moderne Elektrofahrzeuge – eine Hommage an die einstigen „Grand Sport“-Versionen.